Die Mühle des Monats Mai

steht in Neu Gaarz

Die Gaarzer Mühle – Windmühlenerleben und Bootsausflüge

Die kleine Erdholländerwindmühle wurde 1805 von dem Erbpächter der Fleether und Mirower Mühlen als Mahlmühle mit Roggen- und Graupengang auf dem sogenannten Gehren erbaut und an einen Pachtmüller vergeben. Nachdem die Mirower Wassermühle gelegt worden war, sollte sie den Zwangsmahlgästen aus Gaarz und Vietzen die weiten Wege nach Mirow oder Fleeth ersparen. Das auch als Gehrensche, später Gaarzer Mühle bezeichnete Anwesen bildete seit 1809 gemeinsam mit den Ortsteilen Alt und Neu Gaarz den Ort Gaarz. Es bestand außer der Mühle nur aus einem Wohnhaus, Speicher und Stall.

Seit 1822 versuchte der Fleether Müller seine bis dahin immer verpachtete Gaarzer Mühle meistbietend als separate Erbpachtstelle zu verkaufen. Seine Hoffnung, sein „Capital mäßig verzinset zu sehen“, war enttäuscht worden. Eine neue Windmühle bei Vipperow entzog Kunden, das Bauerndorf Gaarz war eine Meierei geworden, das zur Mühle gehörige Land hatte schlechten Boden, die Weide im Vorland der Müritz war zu klein. Dreißig Jahre lang scheiterten alle Verkaufsversuche. Aus mehreren Gründen verweigerte das Kammerkollegiums in Neustrelitz seine Zustimmung. Erst 1854 wurde die Separation und der Verkauf genehmigt. Neuer Erbpächter wurde Heinrich Leo.

Der 1781 in Röbel Geborene hatte schon ein sehr bewegtes Leben hinter sich: Verheiratet mit der Tochter eines Warener Mühlenmeisters war er bis 1814 Webermeister zu Röbel, dann Jäger 1815 bis 1819 in Gneve und 1820 bis mindestens 1834 in Ludorf, anschließend Mühlenmei­ster zu Vipperow bevor er Besitzer der Gehrenschen oder Gaarzer Mühle wurde. In seiner Familie blieb der Mühlenhof bis 1958.

In der gesamten Zeit wurde die kleine, teilweise unterkellerte Mühle nicht verändert. Von den Gebäuden hat Leo in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lediglich das Wohnhaus ausgebaut. Trotz aller Probleme gelang es der Familie bescheidenen Wohlstand anzusammeln und durch das Können der Söhne weitere Mühlen in Mirow, Röbel und Waren zu erwerben.

Die Gaarzer Mühle kam über eine Tochter an die Müllerfamilie Maas. 1946 ließ Mühlenbesitzer Wilhelm Maass seinen Eltern einen Grabstein auf dem Friedhof in Alt Gaarz setzen: „Hier ruhen in Gott, des Wanderns müde, die Mühlenbesitzerin Auguste Maass geb. Leo, * 29.3.1861, + 25.4.1944 in Gaartzer Mühle. Der Mühlenbesitzer Hermann Maass, * 5.5.1863 in Melz, + 18.1.1946 in Gaartzer Mühle, von Eurem Wilhelm“. Auf dem erhaltenen Doppelgrabstein befindet sich die Abbildung eines Mühlsteines.

Über die weitere Geschichte informiert eine Tafel an der Mühle. Wilhelm Maas verunglückte 1948 tödlich. Seine Witwe bewirtschaftete die Mühle zehn Jahre mit Unterstützung durch Flüchtlingsfamilien, bevor sie 1958 verkauft. 1960 wurde der Mühlenbetrieb aufgegeben, aber noch Mischfutter produziert, 1970 die Mühle zur Ferienunter­kunft ausgebaut. Die gesamte Technikausstattung ging verloren.

Die Familie, der die Mühle bis heute gehört, betrieb auf dem Grundstück weiter Landwirtschaft. Nach 1989 investierte sie in die touristische Nutzung der Mühle. In drei Etagen befinden sich je eine Ferienwohnung mit Küchenzeile und kombinierten Schlaf- und Aufenthaltsraum, in der 4. Etage ein weiterer Aufenthaltsraum. Geworben wird mit der Gaarzer Mühle als idealem Ausgangspunkt für ausgedehnte Bootsausflüge, Angeltouren, Badespaß, Radtouren, Reiten und Naturerlebnisse der besonderen Art.

Das Ensemble zeigt bis heute die Wohn- und Wirtschaftsverhältnisse eines Müllers als kleinem „ländlichen Unternehmer“, der den mangelhaften Ertrag seiner Mühle durch einen ebenso schwierigen landwirtschaftlichen Betrieb stützen musste. Mit dem Turm der Mühle, dem Wohnhaus und den beiden Wirtschaftsgebäuden blieb das komplette Ensemble erhalten und wird heute noch bis auf die Mühle selbst landwirtschaftlich betrieben. In dieser Form ist im Land kein anderer Mühlenhof bekannt. Die anstehende Restaurierung und notwendige Modernisierungen sollten darauf Rücksicht nehmen.

Gemeinsam mit Jürgen Kniesz und Jan-Ludwig Bauditz vom Mühlenverein Mecklenburg-Vorpommern veröffentlicht der Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern jeden Monat eine Mühle des Monats.

Weitere Hintergründe erfahren Sie unter Kulturdenkmal des Jahres.

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Neu Gaarz um 1950, Foto: Sammlung J. Kniesz
Neu Gaarz um 1990, Foto: Sammlung J. Kniesz
Neu Gaarz 2021, Foto: J. Kniesz

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