Kulturdenkmal des Jahres

Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) weist mit seiner jährlichen Wahl des Kulturdenkmals des Jahres auf die Vielfalt des kulturellen Erbes hin und macht auf gefährdete Elemente der Kulturlandschaft aufmerksam. Das Kulturdenkmal des Jahres wurde 2004 zum ersten Mal ausgerufen.
 

Kulturerbe des Jahres 2026

„Klosterlandschaften“

Klosterlandschaften sind besondere Kulturlandschaften, die durch das Wirken von Klöstern und deren Bewohnern auf Grund ihrer autarken Wirtschaft geprägt wurden. Diese Landschaften umfassen sowohl die Klostergebäude selbst als auch die umliegenden Territorien, die von den Klostergemeinschaften über Jahrhunderte hinweg genutzt und gestaltet wurden. 
Nicht nur in den ländlichen Räumen, sondern auch in den Städten entstanden mit dem Aufkommen der Hospital- und Bettelorden (Franziskaner, Dominikaner, Karmeliten, Augustiner, Antoniter) viele Klöster, die die Stadtlandschaften beeinflussten. 
Neben Baukultur und Kulturlandschaften ist auch das Immaterielle Kulturerbe, welches von Klöstern ausging und ausgeht, von hoher Bedeutung. 
Klosterlandschaften bieten damit einen faszinierenden Einblick in die religiöse, kulturelle und wirtschaftliche Geschichte in Europa und sind oft Orte der Ruhe und Besinnung (spiritueller Tourismus). Ein gutes Beispiel für die heutige grenzüberschreitende Zusammenarbeit bietet das europäische Projekt Cisterscapes, welches 17 Partner aus Deutschland, Österreich, Polen, Slowenien und Tschechien umfasst. Über die gemeinsame Zusammenarbeit zu klösterlich geprägten Kulturlandschaften in Europa haben die Partner das Europäische Kulturerbesiegel verliehen bekommen.  

Im Rahmen der Kampagne zum Kulturerbe des Jahres sollen daher Spuren von Klosterlandschaften und deren sichtbare Ausprägungen sowie das dazugehörige Immaterielle Kulturerbe zusammengetragen werden.

Pflege, Nutzung und Kommunikation über dieses Kulturerbe werden häufig von zivilgesellschaftlichen Initiativen und Bewegungen unterstützt bzw. sogar übernommen. So gibt es in MV viele verschiedene Vereine und Initiativen, die sich der Aufgabe widmen, historische und gegenwärtige Elemente zu finden, zu erhalten und zu erklären.  
Dieses zivilgesellschaftliche Engagement möchte der HMV  gemeinsam mit seinen Mitgliedern und dem Verband der Klosterstätten MV besonders würdigen.

Vielfalt der Klöster in MV

Unsere Vorstellung der Klosterlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern beginnt mit Ribnitz, so recht ein Beispiel für die Verbindung unserer beiden Landesteile. Danach werden weitere Klosterentdeckungen von der Insel Rügen bis an den Schalsee aufgeführt.  Eine erstaunliche Anzahl von Klöstern gab es seit dem frühen Mittelalter, erst recht von Westen nach Osten – denkt man an Rehna bei Gadebusch oder Wanzka bei Neubrandenburg. Die Orden der Prämonstratenser, der Benediktiner und der Zisterzienser-Orden wurden mit der Klostergründung vor 700 – 800 Jahren betraut, sie gründeten Mönchs- und Nonnenklöster, es folgten die Bettelorden der Franziskaner und Dominikaner in den mittelalterlichen Städten.
Bis in unsere Zeit haben sich die standhaften Bauten erhalten, die zu den schönsten Denkmalen der Backsteingotik im Norden zu zählen sind, auch imposante Ruinen der Klausurgebäude gehören dazu. Die ehemaligen Klosterkirchen sind bis heute Zentren der evangelischen Kirchengemeinden der Nordkirche im Sprengel Pommern und Mecklenburg, Erstaunliche Lebenskraft zeigen die Gemäuer, die nun auch neue und neueste Geschichte mitgeschrieben haben:
Die Klosterruine Eldena hätte es nicht mehr gegeben, wäre nicht an der Wende zum 19. Jahrhundert die Erforschung der Landesgeschichte und ihrer Altertümer ein brennendes Bedürfnis von Denkern und Philosophen, aber auch von Laien – „Dilettanten“ - wie man sie auch nannte, in den Blick genommen worden. Es wurde gezeichnet, gegraben, gefunden und beschrieben: die ersten Handbücher der Kunstdenkmale der Länder – Inventare genannt - erschienen, die heute im neuesten „Dehio“ die praktikabelste Zusammenfassung der Informationen für das Erleben auf einer Wanderung oder Exkursion ins Land bieten.
Die Klosterruine Eldena in Greifswald profitierte davon in den 1820er Jahren, allerdings hat auch die Bekanntheit von Caspar David Friedrichs Werk für die notwendige Restaurierung gesorgt. Einige Klosterstätten wurden schon nach der Reformation, als Mecklenburg und Pommern den neuen evangelischen Glauben annahmen, zu Landesdamenstiften zuerst für die noch lebenden Nonnen und dann für die Anwärterinnen für bürgerliche oder adlige Damen, manchmal bis 1945 (Rostock, Malchow, Ribnitz, Dobbertin und Bergen auf Rügen). Sie wurden aber auch zu Schulen wie z. B. in Wismar und Stralsund – ihre Vorgänger waren die Dominikanerklöster, die besonders auf Glauben und Wissen setzten. Von den Franziskanern sprechen wir von sozialtätigen Klosterleuten. Die Museumsbauten in Bergen auf Rügen, Neubrandenburg, Rostock, Greifswald, Stralsund haben ebenfalls eine große klösterliche Vergangenheit.
So wie die Sonne den Backstein strahlend macht, so Ehrfurcht gebietend und Andacht weckend sind ihre Klosterkirchen und –anlagen noch heute. Das macht sie geeignet für ein evangelisches Pilgerkloster wie in Tempzin in Mecklenburg oder die Schlosskirche Franzburg, die im 16. Jahrhundert zum pommerschen Schloss auf ehemaligem Klostergrund der Zisterzienser gehörte.

Kloster des Monats Juni

Die Klosterrruine Eldena: Symbol der Romantik und lebendiges Kulturerbe

Zisterziensermönche aus dem aufgegebenen Kloster Dargun gründeten 1199 an der Mündung des Rycks das Kloster Hilda. 1204 wurde die Klostergründung von Papst Innozenz III. bestätigt und vom Rügenfürsten Jaromar I. mit umfangreichem Grundbesitz ausgestattet. In einer Bestätigungsurkunde durch den Pommernherzog Wartislaw III. wurde 1248 erstmals das „oppidum Gripheswald“, ein sich etwa fünf Kilometer flussabwärts entwickelnde Marktflecken, urkundlich erwähnt. Zwei Jahre später erhielt Greifswald das Lübische Stadtrecht.

Vom architektonischen Komplex des ehemaligen Klosters haben sich bis heute Teile der Kirche, des östlichen Klausurflügels, eines Wirtschaftshauses sowie ein kurzer Abschnitt der Umfassungsmauer erhalten.
Die ältesten baulichen Überreste im östlichen Bereich der Klosterkirche stammen aus der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts. Der östliche Klausurflügel wurde gegen 1250/60 errichtet. Er beherbergte die Sakristei, den Kapitelsaal, die sogenannte Abtskapelle und im Obergeschoss das Dormitorium (Schlafsaal der Mönche).
Die achteckigen Pfeiler des Kirchenschiffes und die reich geschmückte Westfassade entstanden zur Blütezeit des Klosters im beginnenden 15. Jahrhundert.

Mit der Reformation 1535 wurde das Kloster aufgehoben und in ein herzogliches Amt umgewandelt. Die Kriegszerstörungen und Plünderungen im Dreißigjährigen Krieg leiteten den Niedergang des ehemaligen Klosters ein. Der letzte Pommernherzog aus dem Greifengeschlecht, Bogislaw XIV., überließ das Amt 1634 der Greifswalder Universität. Nicht mehr genutzte Bauten wurden abgebrochen, um Baumaterial zu gewinnen. Caspar David Friedrich hielt den Zustand der Ruine zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Zeichnungen und Gemälden fest. Der Erhalt der bestehenden Reste und die Anlage eines Parks in den Jahren 1828 bis 1832 sind maßgeblich dem Eingreifen des späteren preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. zu verdanken. Anstelle der fehlenden Langhauspfeiler des Kirchenschiffs wurden in jener Zeit Eichen gesetzt. Seither steht die Klosterruine unter Denkmalschutz.
1937 ging das akademische Amtsgut Eldena an die Stadt Greifswald über. Sie ist ebenso Station auf dem Caspar-David-Friedrich-Bildweg, der Route der Norddeutschen Romantik und in der Europäischen Route der Backsteingotik.

Zwischen 1995 und 2000 wurden die bisher umfassendsten Sanierungs-, Forschungs- und Ausgrabungsarbeiten an der Anlage realisiert. In diesem Zuge wurde im Ostflügel eine neue Tribüne eingebaut, die für Veranstaltungen genutzt wird, u.a. für die seit 1980 stattfindenden Eldenaer Jazz Evenings: Eldenaer Jazz Evenings

Das Theater Vorpommern zeigt im Sommer ebenfalls im ehemaligen Klausurflügel Stücke für Kinder und Erwachsene. 

Im Park rund um die Klosterruine und in der Klosterscheune findet seit 2014 jährlich am dritten Juniwochenende der Greifswalder Klostermarkt statt, der sich großer Beliebtheit erfreut: https://www.greifswald.de/de/urlaub-kultur/veranstaltungen/kulturelle-hoehepunkte/jazz/
 

Auch im Festjahr zum 250. Geburtstag Caspar David Friedrichs 2024 spielte die Klosterruine als eines der wichtigsten Motive des Malers, eine zentrale Rolle als Veranstaltungsort. 

Textquellen: Detlef Witt, Michael Lissok, André Lutze und Felix Schönrock
 

Kloster des Monats Mai

Das ehemalige Dominikanerkloster „St. Katharinen“ in Stralsund: Vom Kloster zum Museumsstandort

Das ehemalige Katharinenkloster in Stralsund gehört zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern der Stadt und spiegelt über Jahrhunderte hinweg die bewegte Geschichte Stralsunds wider. Seine Wurzeln reichen bis in die frühe Stadtgeschichte zurück, die mit der Gründung Stralsunds im Jahr 1234 begann. Bereits wenige Jahrzehnte später, in einer Zeit politischer und wirtschaftlicher Spannungen – unter anderem dem Angriff der Lübecker Kaufleute im Jahr 1249 – entstand 1251 das Dominikanerkloster am Katharinenberg. Stifter des Klosters war Fürst Jaromar II. von Rügen. Sein Sohn Witzlaw II. schenkte dem Orden das Grundstück.
Die Klosteranlage entwickelte sich rasch zu einem geistlichen und architektonischen Zentrum. Bis 1282 wurde die Fürstenkapelle überbaut und der Chor vollendet, ehe 1287 der Chor geweiht wurde. In den folgenden Jahrzehnten, insbesondere bis 1410, wurde das Kloster kontinuierlich erweitert und prägte als Ort klösterlichen Lebens maßgeblich das Stadtbild und das religiöse Leben Stralsunds. Die größte spätgotische Klosteranlage des südlichen Ostseeraumes ist bis heute eines der wenigen Klöster Norddeutschlands, deren gotische Bausubstanz fast vollständig erhalten blieb.
Ein tiefgreifender Einschnitt erfolgte 1525 mit der Reformation. Die Dominikanermönche wurden vertrieben, das Kloster ging in den Besitz der Stadt über und diente fortan weltlichen Zwecken, zunächst als Lager. Doch auch in dieser neuen Funktion blieb die Anlage ein zentraler Ort: 1560 zog im westlichen Teil ein Gymnasium für Jungen ein, im östlichen Teil wurde 1616 ein Waisenhaus eingerichtet. Während des Dreißigjährigen Krieges erlebte Stralsund 1628 die Belagerung durch Wallenstein, wenig später begann die Schwedenzeit, die ebenfalls ihre Spuren in der Stadtgeschichte hinterließ.
Im Jahr 1678 wurde die Klosterkirche von den Schweden als Zeughaus genutzt. Nach dem Übergang Stralsunds an Preußen im Jahr 1815 erfolgten erneut bauliche Veränderungen: 1868 gestaltete der Architekt Ernst von Haselberg die Gebäude für schulische Zwecke um. Nachdem 1919 das Waisenhaus das Kloster verließ, wurde die Anlage bis 1924 umfassend restauriert. Mit dem Einzug des Provinzialmuseums 1924 begann eine neue kulturelle Nutzung. Der Zweite Weltkrieg hinterließ 1939 vergleichsweise geringe Schäden.
1949 wurde das damalige Kulturhistorische Museum wiedereröffnet. Im Jahr 1951 gründete Prof. Otto Dibbelt in Räumen des Katharinenklosters das Natur-Museum, aus dem sich später das heutige Deutsche Meeresmuseum entwickelte. Mit der Neuausrichtung zum Meereskundlichen Museum im Jahr 1956 begann eine Erfolgsgeschichte, die Stralsund dauerhaft als bedeutenden Standort der Meeresforschung und -vermittlung etablierte. Weitere Meilensteine waren die Sanierung der Katharinenkirche 1972 und der Einbau einer freitragenden Konstruktion in der Hallenkirche, die Eröffnung derselben 1974 sowie die Überführung in die Stiftung Deutsches Meeresmuseum im Jahr 1994, die die nationale und internationale Bedeutung des Hauses unterstrich.
Im Jahr 2026 blickt das Deutsche Meeresmuseum auf 75 Jahre Museumsentwicklung zurück. Dass der Standort am Katharinenkloster Raum für diese kontinuierliche Entwicklung bot, war ein Glücksfall für das Museum. Die umfassende Modernisierung des MEERESMUSEUMS ab 2020 und die Wiedereröffnung ab 2024 zeigen, wie erfolgreich historische Bausubstanz mit zeitgemäßer Museumsarchitektur und moderner Wissensvermittlung verbunden werden kann.
Das Katharinenkloster ist heute nicht nur Standort des Deutschen Meeresmuseums, sondern zugleich Stammhaus und größter Standort des STRALSUND MUSEUM. Das bereits 1858 gegründete Museum ist das älteste Museum des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Mit Abschluss der derzeitigen Sanierung entsteht auf 1.700 Quadratmetern die neue Dauerausstellung, die ab Herbst 2026 unter dem Leitthema „Handel, Austausch, Vielfalt“ eröffnen soll.
Heute steht das Katharinenkloster nicht nur für über 750 Jahre Stadt- und Baugeschichte, sondern auch als lebendiger Standort zweier bedeutender Museen für Bildung, Forschung, kulturelle Vermittlung und den Schutz der Meere. Es verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf einzigartige Weise und bleibt ein zentraler kultureller Anziehungspunkt in Stralsund.


(Text: Deutsches Meeresmuseum/STRALSUND MUSEUM)

 

 

Kloster des Monats April

Das Kloster Rühn

Das Kloster Rühn wurde im Jahr 1232 gegründet. Bis zur Reformation war es Kloster, danach Damenstift, Verwaltungssitz, Wohngebäude privater Besitzer, Hotel, Pension, Erholungsheim und Jugendwerkhof. In der jüngsten Vergangenheit drohte allerdings das Ende dieser langen Geschichte: Die Gebäude standen leer, die Besitzer wechselten, und die Bauten begannen zu verfallen. 2008 kaufte der gemeinnützige Klosterverein Rühn e.V. das Ensemble. 
Möglich war der Kauf nur dank großzügiger privater Spender aus der Region, denen wichtig war, dass die Klostergebäude und das Grundstück nicht Opfer von Spekulanten werden. 
Der Verein will die Gebäude retten und das kulturhistorische Erbe bewahren. Das ehemalige Zisterzienserinnen-Kloster in Rühn soll wie einst, zu einem Zentrum der Region werden – in kultureller, touristischer und wirtschaftlicher Hinsicht. 
Vieles ist bewegt worden, seit der Verein Eigentümer des Klosters ist: Ein erster wichtiger Schritt war die Reparatur der Dächer, die mehrere Hunderttausend Euro gekostet hat. Auch die völlig marode Winterkirche, ehemals Teil des Kreuzganges, wurde vollständig saniert. Die Baumaßnahmen werden sich noch über Jahre hinziehen. Aber viele Besucher reizt genau das: Kloster Rühn ist eine erlebbare, sich entwickelnde Baustelle. 
Der ehrenamtliche Klosterverein organisiert zwei größere Veranstaltungen im Jahr: das mittelalterliche Klosterfest im Mai und den großen Adventsmarkt. Allein diese beiden Termine locken jährlich 10.000 Gäste in die Anlage im Herzen Mecklenburgs. Dazu kommen Ausstellungen, Konzerte, Kulturpunkte, Lesungen und vieles Mehr. Außerdem ist das Kloster Rühn seit 2010 Spielstätte für Konzerte der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Inzwischen haben sich insgesamt 14 Pächter im Kloster niedergelassen: Künstler, Ölmühle, Brauerei, Tischlerei, Eismanufaktur und viele mehr.

David Pilgrim

Kloster des Monats März - Bergen auf Rügen

Vom Adligen Kloster zum Stadtmuseum – Geschichte im Herzen Bergens

Im Zentrum der Insel Rügen befindet sich im historischen Klosterhof das Stadtmuseum Bergen auf Rügen. Es ist in einem barocken Stiftsgebäude untergebracht, unweit der um 1180 von Fürst Jaromar I. gegründeten Marienkirche.

Das 1193 geweihte Nonnenkloster gilt als ältestes Kloster Rügens. Zunächst lebten hier Benediktinerinnen aus Roskilde, später vor allem Frauen aus dem rügenschen Adel. Geleitet wurde der Konvent – mit zwei Ausnahmen – von einer Priorin. Das mittelalterliche Kloster prägte über Jahrhunderte das Leben der Menschen in Bergen.

Nach der Reformation wurde die Anlage 1569 in ein evangelisches Damenstift umgewandelt. Die mittelalterlichen Bauten verfielen zunehmend, sodass im 18. Jahrhundert zwei neue Wohnhäuser für die Stiftsdamen errichtet wurden. Mit der Besetzung durch russische Truppen im Jahr 1945 endete die Geschichte des Adligen Klosters.

In einem der historischen Stiftsgebäude wurde 1992 das Stadtmuseum Bergen gegründet. Die Dauerausstellung „Von der Steinzeit bis zur Stadt“ führt durch die Geschichte Bergens und der Insel Rügen. Zu den besonderen Exponaten zählen die Replik eines romanischen, vergoldeten Kelches aus der Marienkirche sowie ein originales mittelalterliches Leinentuch (um 1330) mit eindrucksvollen erzählerischen Darstellungen. Bis Ende 2026 ergänzen zudem hochwertige Kopien des sogenannten Blauzahn-Schatzes die Präsentation.

Mit wechselnden Sonderausstellungen, Vorträgen und Lesungen versteht sich das Stadtmuseum als lebendige Einrichtung und bereichert das kulturelle Leben auf der Insel Rügen nachhaltig.

Marika Emonds
Stadtmuseum Bergen auf Rügen

 

Kloster des Monats Februar

Kloster Rehna

Von Weitem schon ist der Kirchturm von Rehna zu sehen. Inmitten der hügeligen Landschaft
entstand in der Mitte des 12. Jahrhunderts der Ort Rene. Seine Lage zwischen Lübeck und
Schwerin war ideal für den Bau eines Klosters. Im 13. Jahrhundert wurde das Frauenkloster
Rehna gegründet, vom Ratzeburger Bischof geweiht und vom lokalen Adel finanziell ausgestattet.
In den folgenden 300 Jahren war es das Zentrum der Region, als Kirchspiel Rehna und als
Wirtschaftsbetrieb hatte es eine wesentliche Bed eutung für die Entwicklung des Ortes und der
Region.
Ein großer Teil der Klosteranlage existiert noch heute und lässt die einstige Größe des Klosters
erahnen. Über die Jahrhunderte wurden die Gebäude immer wieder umgestaltet und für
verschiedene Zwecke g enutzt. Kirche und Verwaltung sind seit 800 Jahren hier ansässig: Die
Klosteranlage war und ist das Zentrum von Rehna, das 1781 das Stadtrecht bekam. Zu dieser Zeit
hatte das Klosters schon eine lange Geschichte: Vom Benediktinerinnen --, zum
Prämonstratense rinnen und schließlich Zisterz i enserinnenkloster wechselte die
Ordenszugehörigkeit. Frauen aus den lokalen Adelsfamilien wurden Priorinnen im Kloster Rehna,
auch Mitglieder der herzoglichen Familien gehörten dem Konvent an und standen ihm vor, viele
Mädch en aus Lübecker Patrizierfamilien besuchten die Rehnaer Klosterschule und traten
anschließend oft in das Kloster ein. Auch nach der Auflösung des Klosters, die in der Zeit der
Reformation für alle Klöster in Mecklenburg beschlossen wurde, blieben Frauen vo n Bedeutung für
den Ort. Als Leibgedinge erhielten die Herzogswitwen das Kloster Rehna für ihren Unterhalt und so
die Möglichkeit, in den Klostergebäuden zu leben und die Einnahmen, die durch die Abgaben der
Leibeigenen erzielt wurden, zu verwalten sowie d ie Gebäude zu gestalten. Mit den weltlichen
Besitzerinnen verlagerte sich das Wohnen und Arbeiten in das Propsteigebäude. Das Schloss
entstand als sichtbares Zeichen des Machtwechsels, während die Konventsgebäude und der
Kreuzgang unbewohnt und ungenutzt b lieben. Im Dreißigjährigen Krieg verschwanden einige
Konventsgebäude. Die französische Besatzung und die durchziehenden Truppen der
Befreiungskriege beanspruchten die Kirche, darauf folgte mit der Sanierung um 1850 eine neue
Innengestaltung des Kirchenraum es. Seither gibt es immer wieder Bemühungen, die Gebäude und
die Erinnerung an das Klosterleben zu bewahren. Allein die Nutzung des Langes Hauses nach
dem Zweiten Weltkrieg, die gesamte DDR Zeit hindurch, sicherte den Erhalt des Gebäudes. Nur
der Kreuzgang fristete ein verlorenes Dasein, wie ein leerer Raum zwischen Kirche und Staat.
1998
initiierte Renate Schlatow die Gründung des Klostervereins Rehna. Die ersten
Vereinsmitglieder entrümpelten den Kreuzgang, legten den einstigen Kreuzgarten frei, sammelt en
Ideen, warben weitere Mitglieder und Spenden und bemühten sich um Zuwendungen für den
Erhalt des Bauwerkes. Mit großem Erfolg: Die Stiftung Denkmalschutz förderte die Sanierung des
Daches, die Kulturstiftung des Bundes unterstützte über mehrere Jahre di e Finanzierung des
kulturellen Programms und 2004 wurde Rehna als Außenstandort der BUGA ausgewählt. Der
Klostergarten, die Kneippanlage und die Steganlagen um den Mühlenteich entstanden. Mit viel
Engagement entwickelten die Mitglieder des Klostervereins d as Kloster zu einem regionalen
Kulturort und zu einem touristischen Leuchtturm in Nordwestmecklenburg, der inzwischen durch
die Zusammenarbeit des Amtes, der Stadt, der Kirchengemeinde und des Klostervereins getragen
wird. Im Kreuzgang befindet sich seit 2 022 eine multimediale Ausstellung zur Geschichte des
Ortes. Das Klostermuseum ist von März bis Oktober geöffnet, hier finden zudem jedes Jahr
wechselnde Kunst und Themenausstellungen statt. Der einstige Kreuzgarten ist unter dem
Namen Nonnengarten zu eine m Raum geworden für Konzerte, Kunst, Entspannung, Feste und
Open Air Gottesdienste.

Antje Reinhold

Kloster des Monats Januar

Das Klarissenkloster Ribnitz

2024 blickte das Kloster auf 700 Jahre bewegte Geschichte. Es ist nicht nur die imposante Klosterkirche, die wie ein Schrein für eine Heilige über der Stadt thront, es sind vor allem ungezählte Menschen mit ihren Schicksalen, ihren Träumen, Ängsten, Sehnsüchten, die seit 1324 den Weg des Klosters begleiten.
Am Anfang standen ein mutiger Landesfürst und sein seltsamer Traum. Ein Engel Gottes befreite die Seele des durch wenig gute Taten in Bedrängnis geratenen Fürsten Heinrich II., des Löwen von Mecklenburg, aus des Teufels Umarmung. So vermengten sich Legende und Wirklichkeit. Das Kloster war eine bedeutende Stiftung für das mecklenburgische Fürstenhaus. 1329 zogen die ersten vier Nonnen aus dem weit entfernten Klarissenkloster Weißenfels in Ribnitz ein. Ihnen zur Seite stand der einstige Beichtvater des Gründerfürsten, der Franziskanermönch Dietrich von Studitz. Das Kloster blieb das einzige des Klarissenordens in Mecklenburg und weit darüber hinaus. Der Orden verehrt seine Gründerin die Heilige Klara von Assisi. Klara bekehrte sich unter dem Einfluss des Heiligen Franziskus zur armen Christusnachfolge. 
1349 wurde Beatrix, die Tochter des Klosterstifters Heinrich, Äbtissin des Klosters. Im Kloster wurde sie Beata, die Selige, genannt und nach ihrem Tod 1399 für das Kloster zur Heiligen. Als einzige Mecklenburgerin hat sie Eingang in den katholischen Heiligenkalender gefunden, der sie noch heute als Selige Beata von Ribnitz am 8. April aufführt. Während ihrer Regentschaft wurde 1361 der Grundstein für die heutige Klosterkirche gelegt. 
Nach Beata regierten sechs weitere fürstliche Äbtissinnen bis 1586 mit mehr oder weniger Glück das Kloster. So starb Herzogin Ingeborg, Tochter Herzog Heinrichs III. von Mecklenburg, bereits nach kurzer Regentschaft 1408 zusammen mit 23 Nonnen an der Pest. Herzogin Elisabeth, Tochter Herzog Heinrichs IV. von Mecklenburg, scheiterte an ihren wirtschaftlichen Misserfolgen. 1493 wurde sie als Äbtissin abgesetzt. Sie lebte noch 13 Jahre gedemütigt bis zu ihrem Tod 1506 im Kloster.
Ab 1498 war Dorothea, Tochter Herzog Magnus’ II. von Mecklenburg strenge Äbtissin. Sie ließ 1526 kurzerhand aufrührerische Vertreter von Luthers Lehre hinrichten. Der 1522 aus Stralsund kommende Mönch Lambrecht Slaggert schrieb in ihrem Auftrag eine umfangreiche Klosterchronik. Das alte Klosterleben war bereits in Auflösung. Dorotheas Nachfolgerin Ursula, Tochter Herzog Heinrich V. von Mecklenburg, nutzte ihren hohen Rang, den Konvent über die Zeiten zu retten. Wirtschaftlich erfolgreich, konnte sie ihre Stellung bis zu ihrem Tod 1586 halten.
Bereits 1572 war das Kloster neben Dobbertin und Malchow zu einem der drei Mecklenburger Landesklöster bestimmt worden. Am 18. Dezember 1599 wurde Ribnitz offiziell eingerichtet. Jetzt bot es zwölf unverheirateten Frauen, zumeist Töchter mecklenburgischer adliger Rittergutsbesitzer, Wohnung und sichere Versorgung. Ab 1704 wurden zwei Plätze vertraglich an Rostocker Ratstöchter abgetreten. Die Äbtissin wurde nun Domina genannt. In dieses Amt folgten nacheinander 27 Frauen. Die evangelischen Stiftsdamen trafen sich nun nicht mehr zu sieben Gebetszeiten, aber auch sie versammelten sich zweimal am Tag in der Klosterkirche. Gebetet wurde vor allem für das Wohlergehen des Vaterlandes und seine Obrigkeit. 
Nach der Revolution, 1918, durfte es keine neuen Anwärterinnen auf Klosterplätze mehr geben. So starben die Damenstifte langsam aus. Mit dem Tod von Olga von Oertzen, der letzten im Kloster lebenden Konventualin und Domina im Jahr 1961, ging auch in Ribnitz die Zeit des Klosters als geistliche Einrichtung endgültig zu Ende. 1929 wurde das Kloster der Stadt Ribnitz zugeschlagen. Heute ist es kultureller Mittelpunkt der Stadt. In seinen einstigen Mauern befinden sich das Deutsche Bernsteinmuseum und weitere städtische Einrichtungen.

Axel Attula
 

Kulturdenkmal des Jahres aus früheren Jahren

Folgende Kulturlandschaftselemente waren bisher Kulturdenkmal des Jahres:

  • 2004: Brunnen
  • 2005: Die Dorfkirche
  • 2006: Historische Bahnhöfe
  • 2007: Brücken und Brückenheilige
  • 2008: Historische Wirtshäuser
  • 2009: Richt- und Gerichtsstätten
  • 2010: Historische Schulgebäude
  • 2011: Historische Wasserbauten
  • 2012: Historische Wege
  • 2013: Historische Amts- und Rathäuser
  • 2015: Historische Friedhöfe
  • 2017: Historische Gedenkorte
  • 2018: Historische Keller
  • 2019: Historische Nutzgärten
  • 2020: Historische Orte der Heilung und Gesundheit
  • 2021: Historische Orte der Gemeinschaft
  • 2022: Historische Mühlen und Hämmer
  • 2023  Kulturlandschaft Wald
  • 2024: Zeichen von Krieg und Frieden
  • 2025: Landschaft und Energie

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