Torfabbau in Mecklenburg-Vorpommern

Die vielgestaltige Moorlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern wurde durch Torfabbau, Entwässerung, landwirtschaftliche Nutzung und inzwischen auch wieder Renaturierung zur Kulturlandschaft. Torf wird heute noch für den Gartenbau und medizinische Zwecke abgebaut, in früheren Zeiten war er Heizmittel. Denn Torf ist ein natürlicher Kohlenstoff-Speicher. Torfstiche sind auf Karten und Luftbildern leicht an ihren charakteristischen länglichen, unverbundenen Wasserflächen zu erkennen, die breiter als Gräben sind und oft vertikal zu Flüssen angelegt wurden. 

Torf entsteht in Hoch- und Niedermooren, indem abgestorbene Teile des Torfmooses unter Luftabschluss verwittern, während es darüber weiterwächst. Auf diese Weise erhöht sich Torfboden circa 1 mm pro Jahr. Tiefer gelegene Schichten sind stärker verkohlt (in Kohlenstoff umgewandelt). Dementsprechend hat der dort gelagerte Schwarztorf einen höheren Heizwert als die darüber liegenden heller werdenden Schichten von Braun- und Weißtorf. Letzterer wurde nicht zum Heizen verwendet. Auf dem Gebiet von Mecklenburg-Vorpommern wurde Torf erst dann zum Heizen verwendet, wenn nicht genug Holz zur Verfügung stand oder wenn sich die ärmere Bevölkerung kein besseres Heizmaterial leisten konnte. Daher erlebte der Torfabbau hier insbesondere in der Nachkriegszeit einen Boom, der mit zunehmendem Wohlstand zurückging. 

Über den Torfabbau informieren engagierte Bürgerinnen und Bürger aus Mecklenburg-Vorpommern in ganz unterschiedlichen Museen. Im Mecklenburgischen Bad Sülze zeigt die Dauerausstellung in einem Teil sowohl Objekte der Torfgewinnung (Torfspaten, charakteristisch breite Holzschuhe, verschiedene Torfqualitäten) als auch im Diorama die Traditionelle Torfgewinnung ohne Maschinen und den Abtransport mit Torfkähnen im Grenztalmoor. Das Salzmuseum Bad Sülze wird vom Heimatverein Bad Sülze getragen. Das Vorpommersche Tribsees ist auch am Grenztalmoor gelegen. Im Mühlentor ist eine Ausstellung zum lokalen Torfabbau täglich geöffnet und frei zugänglich. Hier liegt ein Schwerpunkt auf dem Torfabbau in der DDR und der Präsentation des maschinellen Abbaus. Auch die Renaturierung von Mooren wird thematisiert. Das Torfkopp-Museum in Loitz an der Peene geht auf das Engagement des Unternehmers Hans-Joachim Ziemann zurück, der hinter dem Ausschank seines Spirituosen-Geschäfts die lokale und internationale Geschichte des Torfabbaus präsentiert. Es ist die wohl umfangreichste Ausstellung von Geräten zum Torfabbau in Deutschland. Neben Torfspaten, Setzforken, Torfeimer, Teilen der Torfbahn und mehr dokumentieren Fotografien und andere Objekte die kulturelle Bedeutung des Torfstichs für die Peenetal-Region und die Stadt Loitz, aber auch in anderen Regionen Europas wie Irland. Auf den Geschmack gekommen, lässt sich dann das Wissen in Form von Torfkopp-Whiskey vor Ort weiter verinnerlichen. Anschließend lohnt sich ein Spaziergang an die Peene, denn dort wird ganzjährig in den Torfstichen gebadet, was der Haut sehr guttun soll.

Im Jahr 2023 gab es noch fünf Torf-Abbau-Gebiete in Mecklenburg-Vorpommern, die zunehmend ausgebeutet sind. Neue werden nicht genehmigt. Mit dem zunehmenden Bewusstsein, dass Moore Biotope mit seltenen Tieren und Pflanzen sind und als CO2-Speicher ein wichtiges Element gegen die Klimaerhitzung bilden, werden die Moore in Mecklenburg-Vorpommern zunehmend geschützt und wiedervernässt. Anstatt sie als Lieferant von Kohlenstoff zu nutzen, dienen sie nun der Einlagerung von Kohlenstoff aus der Atmosphäre. Vom Torfabbau geblieben sind das Kulturerbe, die Erinnerung an die schwere gemeinschaftliche Arbeit zur Energiegewinnung, und die Torfstiche in der Landschaft. 

Salzmuseum Mecklenburg Bad Sülze, Saline 9, 18334 Bad Sülze
https://www.salzmuseum-mecklenburg.de

Stadt Tribsees, Mühlentor
http://www.stadt-tribsees.de

Torfkopp-Museum, Mühlentorvorstadt 8a, 17121 Loitz
http://www.torfkopp-museum.de

Mehr zum Thema Moore: https://www.moorwissen.de/

Texte & Bilder: Anna K. Schröder

Windmühlen - Dekoration oder Schandfleck in der Landschaft - am Beispiel Neu Vorwerk bei Gnoien

Wenn man die Begriffe „Landschaft“ und „Energie“ verbindet, stößt man unweigerlich auf den die Windkraftnutzung betreffenden Gegensatz der Ästhetik von Windmühlen und Windrädern. Windmühlen werden romantisch verklärt und sind der profanen Technik entrückt. Windräder gelten als hässlich und ein Störfall in der Landschaft.

Die wohlwollende Betrachtung einer Windmühle ist dabei kein gegenwärtiges Empfinden. Bekannt ist die Erzählung über Friedrich den Großen und die Windmühle von Sanssouci. Auch der Strelitzer Großherzog Georg zog 1832 den Anblick einer Windmühle vor. Eine Bitte der Neustrelitzer Müller, Rossmühlen anzulegen wurde abgeschlagen, da diese „den billigsten Forderungen, in Bezug auf die Verschönerung der Umgebung der Stadt, sich entgegenlegen.“ Der Bau einer neuen Windmühle wurde hingegen begrüßt.

Auch der Umgebungsschutz von Windmühlen war schon 1794 in Mecklenburg-Strelitz Gegenstand einer herzoglichen Verordnung, die den Häuserbau in der Mühlenstraße untersagte, da der dortigen Windmühle ein Nachteil daraus entstehen könnte.

In Preußen – und damit auch in Vorpommern – galt 1861 eine Verordnung um Gefahren vorzubeugen, „welche durch das Scheuwerden des Viehs auf Wegen oder Grundstücken in der Nähe von Windmühlen in Folge des Betriebes derselben entstehen können“. Die Entfernung einer neuen Windmühle zu Chausseen, Landstraßen, Feldwegen oder anderen öffentlichen Wegen musste 20 Ruten betragen. Von benachbarten Grundstücken wurde ein Abstand von 6 Ruten verlangt. Analoge Regelungen gab es auch in Mecklenburg.

Ein Beispiel für die Wahl eines Windmühlenstandortes aus ästhetischen Gründen ist Neu Vorwerk. Eine Frau von Oertzen auf Alt Vorwerk als Besitzerin des Gutes wollte wie die preußischen Könige in Sanssouci aus dem Fenster ihres Gutshauses eine Mühle arbeiten sehen und veranlasste 1849 den Bau der älteren der Neu Vorwerker Zwillingswindmühlen am heuti­gen Ort. Einen typisch "sozialistischen" Schluss erhielt die Erzählung 1988 bei ihrer Wiedergabe in der Norddeutschen Zeitung: "Hie­rut kann hüt noch seihn, wat de Adel duntaumalen vör Knäp in Kopp hat hät. In unsern Staat sünd all beid Windmoehlen unner Denkmalschutz stellt."

Neben der Mühle war 1947 eine zweite Windmühle gebaut worden. Nachdem 1947 die Mühle in Klinken bei Parchim ihre Arbeit endgültig eingestellt hatte und die Mahltechnik an die Raduhner Mühle verkauft worden war, wurde das Fachwerk der relativ modernen Holländermühle für 3 Wagenladungen Getreide auf Abbruch verkauft. Der Teterower Mühlenbaubetrieb Karl Specht baute die Mühle ab und transportierte die Teile nach Neu Vorwerk. Wegen des kleinen Grundstücks musste die neue Mühle dicht neben der älteren stehen. Es entstand das einzigartige Ensemble der Zwillingswindmühlen. Sie dienten zuletzt der Mühle Gnoien als Mischfutterwerk. 

Trotz des Denkmalschutzes blieben beide Mühlen nach der Produktionseinstellung 1991 sich selbst überlassen. Bis dahin nur völlig unzureichend unterhalten, setzten ihnen jetzt Diebstahl und Vandalismus schwer zu.

„Fünf vor zwölf“ begannen 1995 Arbeiten zum Erhalt der Mühlen. Dank des großen persönlichen Einsatzes eines engagierten Zimmermanns und Mühlenfreundes wird die alte Mühlenanlage seitdem restauriert. Auch wenn die Arbeiten nach 30 Jahren noch nicht vollendet sind, ist das für die gewachsene Kulturlandschaft in dieser Region bedeutende historische Erscheinungsbild der Zwillingswindmühlen wieder hergestellt.

Großes Ziel bleibt, beide Mühlen als funktionstüchtiges technisches Denkmal zu bewahren. Am großen Galerieholländer sollen sich einmal wieder die Flügel drehen. "Damit können auch künftige Generationen erleben, wie unsere Vorfahren durch harte Arbeit mit Hilfe umweltfreundlicher Windkraft und genialer Technik aus Getreide das lebensnotwendige Naturprodukt Mehl herstellten", blickt der Mühlenfreund voraus. Bis dahin bleibt noch ein langer Weg. 

Bauchschmerzen hatten ihm 2009 Pläne bereitet, einen Windpark von 12 Anlagen mit einer Nabenhöhe von 150 Metern und einer Gesamthöhe mit Rotor von 180 Metern zu errichten. Die erste Anlage 300 m vom Grundstück entfernt stehen, die anderen in 800 m Entfernung folgen.

 

Jürgen Kniesz

Mühlenverein Mecklenburg-Vorpommern

 

Abb.: Mühlen in Neu Vorwerk 1990 (J. Kniesz), Neu Vorwerk 2012 (I. Arlt), Mühlen im Winter 2022 (Chr.Teske)

Kulturdenkmal aus Energie und Landschaft

Erdölmuseum Reinkenhagen

Am 21. März 1961 wurde in Reinkenhagen mit der Suchbohrung E-Reinkenhagen 2/2a/60 Erdöl und Erdgas gefunden. An diesem Ort, an dem nachfolgend die Feldzentrale Reinkenhagen ihren Standort hatte, befindet sich heute das Erdölmuseum Reinkenhagen.

Mehr als 2.500 Exponate belegen die Entwicklung des Bohrlochbergbaues auf Erdöl und Erdgas in Mecklenburg-Vorpommern. Gezeigt werden auch die Ergebnisse der Exploration und Produktion dieser Kohlenwasserstoffe, die auf der Basis tierischen und pflanzlichen Planktons im Erdaltertum/dem Paläozoikum vor mehr als 230 Millionen Jahre entstanden sind. 

Beim Niederbringen der Bohrung zwangen technische Probleme und eine Festwerde-Havarie bei Kernbohrarbeiten dazu, den Bohrstrang in 2.000 Metern Teufe abzulenken. Durch diesen Umstand und die natürlichen Abweichungen beim Bohren befindet sich der Endpunkt der Bohrung nicht senkrecht unter dem Sondenkopf, sondern ca. 170 Meter in südwestlicher Richtung unter der angrenzenden Ackerfläche. Die Bohrlochneigung und deren Richtung (Azimut) beträgt 222 Gon.

Aus dieser Bohrung ist von 1961 bis 1968 aus 2.300 Meter Tiefe und mit einem Lagerstättendruck von anfangs 400 Atmosphären das erste Erdöl im Nordosten der DDR eruptiv gefördert worden. Auf Sekundärförderung mittels Tiefpumpenantrieb umgestellt, konnte hier noch bis 1990 Erdöl gewonnen werden. Insgesamt waren es 29.400 Tonnen Erdöl, etwa 5,4 Millionen Kubikmeter Erdölbegleitgas und 2.850 Kubikmeter Lagerstättenwasser. 

Die Fündigkeit der ersten Suchbohrung löste gerade auf dem Territorium Nordvorpommerns enorme Such- und Erkundungsaktivitäten nach den begehrten kohlenwasserstoffführenden Rohstoffen aus. Die fündigen Bohrungen/Fördersonden waren teils über mehrere Jahre in Betrieb. Die Ergebnisse bei der Suche nach den wichtigen Energieträgern Erdöl und Erdgas führten zu einer rasanten Entwicklung der Tiefbohr- und Fördertechnik und zur Ansiedlung von Spezialbetrieben sowie einem verstärkten Wohnungsbau in der Region. In Zusammenarbeit mit den Hoch- und Fachschuleinrichtungen des Landes und einer eigens dafür geschaffenen betrieblichen Ausbildungsstätte wurde die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften zum Beherrschen der komplizierten geologischen und technisch-technologischen Prozesse organisiert. Absolventen der Betriebsschule, sind auch heute noch in der Branche gesuchte Fachleute und als solche weltweit tätig. Der Fleiß und Ideenreichtum der Mitarbeiter führten in Verbindung mit gezielten Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zu tiefbohr-, sicherheits- und fördertechnischen Spitzentechnologien. Von ihrer Leistungsfähigkeit zeugen u. a. mehrere deutsche und Europarekorde beim Niederbringen von Tiefbohrungen sowie der reiche Fundus an Daten über den geologischen Aufbau unseres Bundeslandes. Spitzenleistungen wurden auch bei Arbeiten im Ausland erzielt, auf fachlichen Ebenen international zusammengearbeitet und Wertschätzung erfahren.

Regionale Künstler und Kulturschaffende haben die Entwicklung der geologischen Industrie in Bildern und Schriften, wie dem verfilmten Poem und Theaterstück „terra incognita“ von Kurt Barthel, festgehalten, Schätze die auch im Erdölmuseum Reinkenhagen aufbewahrt und gezeigt werden.

Nach Rückgang der wirtschaftlichen Förderphase sind bis 1997 fast alle der 132, auf dem Territorium Nordvorpommerns niedergebrachten Erdöl-/Erdgasbohrungen, verfüllt worden. 

Derzeit sind in Nordvorpommern noch 7 Bohrungen auf Usedom und in Mesekenhagen in Förderung.

Die Sonde E-Reinkenhagen 2/2a/60 wurde Ende der 90er Jahre noch zu einer Disposal-/Schlucksonde für die Aufnahme von Lagerstättenwasser uminstalliert. Die Sondenkopfausrüstung dazu kann heute noch besichtigt werden. 2005/2006 ist auch diese Sonde durch Setzen von Zementbrücken (bis auf 20 Meter unter Gelände-Oberkante) verfüllt worden. 

Anlässlich der Kampagne „Kulturerbe des Jahres“ zeigt das Museum außergewöhnliche Objekte sowie neu erworbene Exponate, die „begriffen“ und bei Bedarf auch „beschnuppert“ werden dürfen. Dazu gehören u.a.: 

  • ein Erdölführender Bohrkern aus den Tiefen des Zechsteinmeeres,
  • spezielle Bohrmeißel,
  • der Fahrseilabschnitt ø 15/8“ der schweren Bohranlage IDECO E 3000, Tragkraft=1.109 kN,
  • das Bruchstück im Vatergewinde einer Schwerstange,
  • ein geborgenes gut erhaltenes Futterrohrstück, der 1934 niedergebrachten und Erdgas-Fördersonde Mühlhausen 4/34 (Teufe: 1.094,3 Meter, Förderhorizont Hauptdolomit, Z2 ca. 60 Meter mächtig),
  • aus der Land-/Forstwirtschaft das Original einer historischen Hebelade,
  • ein in Rekonstruktion befindlicher Feuerlöschanhänger TSA.

Das Erdölmuseum Reinkenhagen, das 2023/24 zum Bürgerbegegnungszentrum der Gemeinde Sundhagen ausgebaut worden ist, erwartet Sie: Ein Besuch lohnt sich–Glück auf!

Text und Bilder: Michael Segler/Bernd Schöne; www.erdoelmuseum-reinkenhagen.de

Gips- und Kalibergbau in Lübtheen und Jessenitz

Weiterverarbeitung für Lübtheen fast sieben Jahrzehnte ein wichtige Rolle spielte. Es war ein umfangreiches Gipsvorkommen. Damals fand Gips vor allem als künstliches Düngemittel Verwendung. Man beauftragte den Oberlandbaumeister Wünsch und den Steiger Mengebier mit der weiteren Erkundung des Vorkommens. Bohrversuche ergaben ein Lager von recht großer Ausdehnung und gleichmäßiger Qualität. Bei etwa 55 % nahm man reinen Gips (schwefelsauer Kalk) an, der Rest war gewöhnlicher Kalk (kohlensaurer Kalk).

Ab 1830 begann man mit dem Abbau und der Produktion von vorwiegend Düngegips. Mit einem Göpelwerk, später einer Windmühle wurde der zuvor losgebrochene Gips zerkleinert. 1853 pachtete der Eisenbahnbaumeister Fritze das Unternehmen für 30 Jahre von der mecklenburgischen Regierung. Mittels zwei großer Dampfmaschinen von der Firma Borsig legte man nun den Gipsbruch trocken und trieb gleichzeitig die Mühlen an. Statt Düngegips wurde jetzt gebrannter Gips hergestellt. Die Produktion von Bau-, Stuck- und Verbandsgips sorgte für eine bessere Rentabilität. 1883 wurde die Gipsgewinnung langsam beschwerlich. Der Tagebau war nun ca. 12 m tief. Etwa zehn Jahre später war das Ende der Rohgipsgewinnung gekommen. Der Gipsbruch wurde zur Hälfte zugeschüttet.

Jahre zuvor, 1874, waren bei Tiefenbohrungen umfangreiche Salzlager entdeckt worden. Dass in der Griesen Gegend Salz gewonnen wurde, war bekannt. Ab 1307 betrieb das Kloster Eldena in Conow eine Saline. 1879 beschloss die mecklenburgische Regierung Salz zu fördern. Fördern durfte auch der Gutsbesitzer Meyer aus Jessenitz, der 1882 eine Bohrgesellschaft gründete. In einer Tiefe von 270 m wurde der erste Kalisalzkern erbohrt. Das Kalisalzlager maß 58 m, das Steinsalzlager 23 m. 1886 gründete Charles Beßler als neuer Eigentümer des Gutes Jessenitz im Verein mit Hamburger und Schweriner Banken die Schachtbaugesellschaft Jessenitz zum Abbau des Salzes. Da man in einer Tiefe bis ca. 90 m unerschöpfliche Wassermassen vermutete, übertrug man das Abteufen dem Ingenieur Poetsch, der drei Jahre zuvor das sogenannte Gefrierverfahren für den Schachtbau entwickelt hatte. Damit war Jessenitz das erste Kalibergwerk bei dem zum Schachtbau das Gefrierverfahren zum Einsatz kam. Am Rand eines Kreises von 7,3 m Durchmesser wurde dazu 20 Bohrlöcher in die Erde gebracht. Dann wurden die Gefrierapparate, in denen eine bis -20 Grad abgekühlte Chlormagnesiumlösung zirkulierte, in die Bohrlöcher eingehängt. Die Kälteerzeugung übernahmen zwei Ammoniakmaschinen. Innerhalb von vier Monaten war die Frostschicht erzeugt und mit den Abteufarbeiten konnte begonnen werden. Bis Mai 1889 hatte man eine Tiefe von 89 m erreicht und den Schacht mit eisernen Segmenttübbings wasserfrei ausgebaut. Durch Hand- und Schießarbeit erreichte man im August 1889 eine Tiefe von 130 m. Der hohe Wasserdruck, die Temperaturen von 22 Grad  Celsius und der Salzgehalt des Wassers von 9 % machten die Herstellung einer stabilen Frostwand unmöglich. Im September 1892 wurde das Abbohren des Schachtes nach einem anderen Verfahren (Kind&Chaudron) weitergeführt. Immer wieder machten starke Wasserzuflüsse in dem zerklüfteten Gips Probleme. Nach und nach wurden Eisenringe in der Schachtröhre hinabgesenkt, bis der ganze Schacht durch einen mächtigen Hohlzylinder ausgekleidet war. Anfang Februar 1900 war der Wasserabschluß vollständig gelungen. Im Mai 1901 hatte man eine Tiefe von 604 m erreicht. Am 18. Oktober 1900 fand die Einweihung und Taufe des "Herzog – Regent – Schachtes" durch den Regenten Herzog Johann Abrecht statt. Der Bau hatte einen Zeitraum von fast 15 Jahren benötigt. Bei keinem weiteren Kalibergwerk in Deutschland wurden bisher für den Schachtbau so viele Jahre benötigt. Die Salzförderung begann in 600 m Tiefe. Gearbeitet wurde ununterbrochen am Tag und in der Nacht. Täglich wurde 8 bis 10 Tausend Zentner Salz gefördert und weiter verarbeitet. In der Chlorkaliumfabrik wurde das Rohgestein gereinigt und zu 40%igem Düngesalz verarbeitet. Am 24. Juni 1912 vernichtete ein Wassereinbruch den "Herzog – Regent – Schacht". Auf Anordnung des Bergamtes hatte man die Förderung aus Sicherheitsgründen schon drei Wochen zuvor eingestellt.

Parallel zum "Herzog – Regent – Schacht" wurde der "Friedrich – Franz – Schacht" in die Erde getrieben. Bei der Niederbringung zeigten sich ähnliche Schwierigkeiten wie in Jessenitz. Nach zehnjähriger Arbeit konnte am 11. Dezember 1905 die regelmäßige Salzförderung beginnen.

Der Bergbau brachte damals für Lübtheen natürlich viele Vorteile. Die Bevölkerungszahl stieg durch Zuzug von Berarbeitern, Bergbauingenieuren aber auch andere Geschäftsleute zog es hierher. Im Ort setzte eine rege Bautätigkeit ein. Aber der hoffnungsvolle Aufschwung war auch bei diesem Bergwerk nicht von langer Dauer. In der Nacht vom 8. auf den 9. Dezember 1916 wurden die Einwohner Lübtheens durch starke Erdstöße aus dem Schlaf gerissen. Allen war nach der viereinhalb Jahre zuvor in Jessenitz geschehenen Katastrophe klar, auch der Lübtheener Schacht ist durch Wassereinbruch zerstört. Besonders im Dorf Probst Jesar zeigten sich viele Schäden. Die unbefestigte Dorfstraße in der Nähe des Sees senkte sich um eineinhalb Meter. In dem Wiesengelände daneben hatte es schon beim Wassereinbruch in Jessenitz Bodensenkungen gegeben, nun aber war ein großer Teich entstanden. Der Erdboden in Richtung vom See nach Lübtheen wies zahlreiche Risse auf und einige Wohnhäuser mußten geräumt werden, weil sie Schaden genommen hatten.

An die wechselvolle Geschichte des Gips- und Kalibergbaus erinnert das Museum "Altes Küsterhaus" in Lübtheen, das zugleich viele andere historische Ereignisse zeigt. Die vielen Ausstellungen wurden von Arbeitsgruppen des Heimat- und Kulturvereins und vom Museum recherchiert und erarbeitet. Ein Besuch lohnt sich.

 

Text und Bilder: Marlies Bünsch, Museum „Altes Küsterhaus“ Lübtheen

Zur Geschichte der Rügener Kreide

Europas einziges Kreidemuseum im historischen Gebäude des ehemaligen Kreidewerks Gummanz auf einem stillgelegten Kreidebruch

Den Eiszeiten verdanken wir die vielgestaltige Landschaft Rügens mit ihren prägnanten Kreidefelsen und den Kreidevorkommen im Hinterland. Die aufgelassenen (stillgelegten) Kreidebrüche und die sich darin vollziehende natürliche Sukzession prägen bis heute das Landschaftsbild dieser Halbinsel.

Die Rügener Schreibkreide, so der exakte geologische Begriff, ist ca. 68 Millionen Jahre alt und besteht zu 98% aus Calciumcarbonat (CaCO3) – nicht zu verwechseln mit der Tafelkreide (CaSO4 - Gips!)

Seit Beginn des systematischen Abbaus der Rügener Schreibkreide und ihrer Nutzung 1832 durch Friedrich von Hagenow in der Stubnitz, am Kieler Bach, entwickelte sich der Kreideabbau rasch, so dass es am Ende des 19. Jahrhunderts fast 50 Kreidebrüche allein auf der Halbinsel Jasmund gab. 

Einer der Kreidebrüche mit Kreidewerk befand sich in Gummanz, dem heutigen Standort des einzigen Kreidemuseums in Europa. Dort wurde von 1859 bis 1962 aktiv Kreide abgebaut und aufbereitet. 

Das war und ist ein aufwendiger Prozess, wobei die Schritte - Abbau und Transport – Schlämmen und Aufbereiten – Trocknen – Verpacken und Versenden - seit über 180 Jahren vergleichbar sind. Gewandelt hat sich aber in diesem Zeitraum die technisch-technologische Umsetzung erheblich. 

Bis 1962 wurde vor allem menschliche Arbeitskraft, Sonne, Wind und nur vereinzelte Maschinen im Kreidebruch genutzt. Der Gesamtprozess dauerte damals etwa 80 Tage. Für die Kreidearbeiter war es eine extrem harte und gefährliche Arbeit, die in 12-Stunden-Schichten bewältigt werden musste.

Seit 1962 wird Kreide im Tagebau hauptsächlich mit Maschinen und technischen Systemen abgebaut und ins Kreidewerk zur weiteren Verarbeitung transportiert. Das dauerte dann ca. 50 Minuten. 

Ab 1996 findet das alles in einem komplex abgestimmten durchgängigen technologischen Prozess statt und dauert ca. 10 Minuten. 

Vom Tagebau transportiert eine Bandanlage die Rohkreide direkt in das ca. 3km entfernte modernen Kreidewerk in Klementelvitz. Dort finden vielfältige Reinigungs- und Aufbereitungsprozesse statt um spezielle Reinheitsgrade, Korngrößen sowie verschiedene Kreidegranulate herzustellen.

Es wird immer nur in einem Tagebau abgebaut. Erst wenn dieser aufgelassen wird beginnt der aktive Abbau in einem neuen. Derzeit gibt es einen aktiven Tagebau in Promoisel, wo jährlich etwa 300.000 t Kreide abgebaut werden. 

Die Nachfrage nach der Rügener Schreibkreide ist auf Grund ihrer besonderen Qualitäten groß. CaCO3 in dieser Qualität kommt direkt oder indirekt in fast jedem unserer Lebensbereiche zum Einsatz. Abnehmer sind die Eisen- und Stahlindustrie, die Zellstoff- und Papierindustrie, Farben-, Lacke-, Klebstoffeherstellende Industrie, die Baustoffindustrie und Bauchemie, Kabel-, Kunststoff- und Gummiindustrie, Agrotechnik, Umweltlösungen, Verbrauchsgüterindustrie (Lebensmittel, Pharma, Ernährung) … 

Im Kreidemuseum ist viel Wissenswertes zum Thema Kreide in der interaktiven Ausstellung zu erfahren: von der Entstehung, dem Abbau, der Nutzung und den Fossilien der Rügener Schreibkreide sowie der Geologie der Insel und der Küstenerosion. 

Wechselnde Sonderausstellungen behandeln vertiefend Themen aus den Bereichen Kreide, Geologie, Fossilen usw.. Die jetzige Sonderausstellung beschäftigt sich u.a. mit den Aussterbeereignissen in der Erdgeschichte und ihren Lebewesen. 

Im Freilichtmuseum, dem stillgelegten Kreidebruch, befinden sich historische Zeugnisse und Sie erleben ein besonderes geschütztes Biotop, welches sich seit 1962 als der Bruch geschlossen wurde, deutlich sichtbar herausbildet. 

Auf einem Naturlehrpfad gelangt man mit einem ca. 10minütigem Spaziergang zum Aussichtspunkt auf dem „Kleinen Königsstuhl“, unserem Kreidefelsen, von dem sich ein einmaliger Blick über die Halbinsel Jasmund öffnet - vom Leuchtturm auf Hiddensee, über den Großen Jasmunder Bodden bis hin zum Jagdschloss Granitz.

Herzlich Willkommen, wir freuen uns auf Euren/Ihren Besuch!

Text: Peter Dietrich; alle Bilder: Archiv Kreidemuseum

Braunkohleabbau: Marienstollen in Malliß

Die Geschichte des Bergbaus rund um die Region Malliß

In unserem kleinen, aber feinen Museum, dem 

Regionalmuseum Hans Joachim Bötefür, Karl Marx Straße 22, 19294 Neu Kaliß / OT Kaliß

wird neben vielen anderen Themen, die Geschichte des Bergbau´s rund um das Gebiet des Wanzeberges beschrieben.

Für Norddeutschland ist es ja eigentlich völlig untypisch, überhaupt vom „Bergbau“ zu sprechen.

Der Forscher und Geologe Hans Joachim Bötefür hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, all´ sein Wissen in unserem Haus zusammenzutragen, unter anderem auch dieses ganz spezielle Thema. 

Wir finden hier in unserer Ausstellung Bild- und Kartenmaterial, Werkzeuge und einzelne Geschichten rund um „unsere Kohle“.

Die Schwere der Arbeit unter Tage wird hier deutlich. Tatsächlich wurde mit immer wieder Unterbrechungen zwischendurch von 1817 bis 1960 Kohle abgebaut. Bis 60 m tief wurde Kohle gefördert.

Zwei sehr anschauliche Modelle verdeutlichen den technischen Vorgang. Pferde mussten sehr lange die schweren Loren aus der Tiefe ans Tageslicht befördern, bis schließlich bessere Technik zum Einsatz kam.

Die Bauern vor Ort waren verpflichtet, das Holz zu liefern, das verwendet wurde für den Bau der Schächte.

Gerade die Brennstoff-Knappheit nach dem 2. Weltkrieg war ein Hauptgrund für die weitere Förderung.

Aber 1960 wurde der Betrieb eingestellt, aus Gründen der Rentabilität. Die Kohlequalität, die Wasserhaltung und der hohe Holzverbrauch zum Stollenbau waren die Gründe.

Wir laden Sie ein zu einem kleinen Erkundungsrundgang in unserem Museum.

Karin Koch

E-Werk in Schwerin

Ende des 19. Jahrhunderts wuchs der Wunsch der Schwerinerinnen und Schweriner nach elektrischem Licht und so wurden 1889 erste Pläne zum Bau eines städtischen Elektrizitätswerks geschmiedet.

Am Heilig Abend im Jahr 1904, nahm das E-Werk am Pfaffenteich die erste kommunale Elektrizitätsversorgung der Stadt auf. 496 Häuser wurden zunächst mit Strom versorgt und das Verteilernetz maß eine Länge von 24 Kilometer. Ein Jahr später genossen weitere 100 Hausstände den Luxus einer heimischen Stromversorgung.

In dem markanten Gebäude waren nicht nur die Gasgeneratoren, Steinkohlelager und Sauggas-Motoren untergebracht, sondern auch Werkstätten, Büroräume sowie Unterkünfte für leitende Angestellte.

Um den stetig steigenden Strombedarf zu decken, wurde die Maschinenhalle sowie der Bürobereich des E-Werks 1913 erweitert und erstmalig mit zwei Dieselmotoren sowie ein Gleichstrom- und Drehstromgenerator bestückt, welche die Stromerzeugung unterstützen.

1921 wurde auf dem Gelände des städtischen Elektrizitätswerks das Haus des Eichamts gebaut. Dort wurden unter anderem die Straßenbahnbatterien aufgestellt.

Ein weiterer großer Meilenstein der Stadtentwicklung fand 1924 mit dem Bau der ersten Fernwärmeleitungen vom E-Werk aus, seinen Ursprung. Erstmalig deutschlandweit, wurde für das Erwärmen des Heizwassers die Abwärme von Dieselmotoren benutzt.

In den goldenen Zwanzigern stieg der Strombedarf rapide an, sodass zwei weitere Dieselmotoren im Elektrizitätswerk installiert werden.

1935 war das E-Werk nicht mehr in der Lage, den Strombedarf Schwerins abzudecken. Es wurden erneut Umbauten vorgenommen, sodass die Dieselmotoren nur noch in den Wintermonaten die Spitzenlasten mit abdeckten und teilweise auch mit Steinkohleteer betrieben werden konnten. Der Strom für die Stadt kam zu der Zeit hauptsächlich von den Märkischen Elektrizitätswerken (MEW). Zusätzlich entstand auf dem Gelände ein Gebäude für die Lagerung von Kabeln und Ähnlichem.

Der zweite Weltkrieg brachte für das E-Werk einen Entwicklungsstillstand mit sich. Die Misswirtschaft in den anschließenden DDR-Jahren führte zum weiteren Verschleiß der Maschinen, sodass 1966 die Stromerzeugung am Pfaffenteich eingestellt wurde. Das Gebäude diente jedoch weiterhin als Schaltstation und die Räumlichkeiten wurden teilweise umgebaut, um als Büro, Werkstatt und Ähnlichem genutzt zu werden.

1972 war die technische Nutzung des E-Werks dann endgültig Geschichte. Nach der Wende verloren auch die übrigen Räumlichkeiten nach und nach ihre Funktion.

Nach einem mehrere Jahre anhaltenden Dornröschenschlaf, kehrte am Spieltordamm 1 im Jahr 1998 wieder Leben ein. Das Staatstheater Schwerin errichtete in der ehemaligen Maschinenhalle eine Nebenspielstätte und bot zeitweise in einem weiteren Raum kleinen Besuchern Stücke auf der „Puppenbühne“ an. Diese Ära des E-Werks hielt bis 2022.

Seitdem warten die historischen Gemäuer auf eine neue Aufgabe. Aktuell gibt es Bestrebungen der Landeshauptstadt das großzügige Gebäude für gesellschaftliche Zwecke, wie eine Nutzung als Kindertagesstädte zu nutzen.

 

Text: Stefanie Malessa, Stadtwerke Schwerin GmbH

Waldglas in Westmecklenburg

Museum für Alltagskultur der Griesen Gegend in Hagenow

Sand, Asche und Kalk – wer denkt bei diesen unscheinbaren Rohstoffen an kostbare, anmutige und fragile Gefäße aus grünem, bläulichem oder fast durchscheinendem Glas? Es ist fast in Vergessenheit geraten, dass vor allem im westlichen Mecklenburg zahlreiche Glashütten unzählige Flaschen, Schüsseln und andere alltägliche Gegenstände herstellten, die in den meisten Haushalten zu finden waren. Der immense Holzverbrauch der Manufakturen hinterließ ebenfalls deutliche Spuren.

Das Museum für Alltagskultur der Griesen Gegend zeigt in seiner Dauerausstellung nicht nur wunderschöne Zeugnisse dieses Handwerks mit ihren facettenreichen Formen und Farben, sondern vermittelt ebenso spannende Geschichten und historische Hintergründe zur Herstellung von Waldglas in Mecklenburg. Das Museum in Hagenow verfügt über einen der umfangreichsten Bestände dieser beliebten Preziosen, denen Sammler und Forscher wie Ralf Wendt und Henry Gawlick viel Aufmerksamkeit geschenkt haben.

Ausgangsmaterial für die Glasherstellung ist Quarz in Form von Sand. Ein hoher Anteil an Eisenoxid gibt dem Glas eine grünliche bis bräunliche Färbung. Die beigemengte Pottasche setzt die Schmelztemperatur herab; Kreide verleiht dem Glas die nötige Härte. In einem Schmelzhafen erhitzten die Glasmacher das Gemisch auf bis zu 1.000 bis 1.200 Grad Celsius. Mit einer Glasmacherpfeife, verschiedenen Werkzeugen und Formen brachten sie den flüssig-glühenden Glasposten in Form.

Die Geschichte der Glasherstellung in Mecklenburg reicht bis ins Mittelalter zurück. Mönche in den Zisterzienserklöstern gelten als die ersten Produzten gläserner Waren. Im 17. Jahrhundert zogen Glasmacherfamilien aus Hessen über Holstein nach Westmecklenburg. Die Landesherren, aber auch die Kirche und adelige Grundbesitzer gestatteten ihnen den Bau ihrer Glashütten. Die meisten Standorte dieser Zeit lagen in der Region nördlich von Hagenow und westlich von Schwerin. Als frühste Ansiedlungen gelten die um 1611 in Bantin und 1622 in Gammelin gegründeten Betriebe sowie vier Hütten, die zwischen 1620 und 1715 rund um Toddin produzierten. Die Familien Pentz und Gundlach stellten über Generationen ihre Besitzer und Hüttenmeister. Der Großteil der Glasgefäße ging in Hansestädte wie Hamburg, Lübeck, Rostock und Wismar und war für den Export bestimmt.

Vom frühen 17. Jahrhundert bis ins ausgehende 19. Jahrhundert sind allein für das ehemalige Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin rund 125 Standorte belegt. Die Herstellung von Pottasche und die gemauerten Brennöfen verschlangen große Mengen an gutem Brennholz. Eine einzelne Glashütte verbrauchte etwa 3.500 m3 Holz im Jahr. Im Laufe des 18. Jahrhunderts verschwanden viele Waldgebiete; die alten Laubwälder hinterließen trockene und sandige Flächen. Bei der Wiederaufforstung erhielten schnell wachsende Fichten und Kiefern den Vorzug. Diese Form der Forstwirtschaft prägte das heutige Erscheinungsbild der Landschaft.

Billigere und bessere Glaswaren ausländischer Fabriken setzten die hiesigen Glasmacher zunehmend unter Druck. Die letzte Glashütte des Landes befand sich in Alt Schwerin und stellte 1901 ihren Betrieb ein Heute erinnern Ortsnamen wie Hüttenkamp oder Glashütte, archivalische Quellen und archäologische Bodenfunde wie bunter Glasbruch, seltene Glassiegel oder Fragmente der Schmelzhäfen an ihre Existenz. In der Stadtkirche von Hagenow zeugt ein jüngst restaurierter achtarmiger Messingleuchter, den der Hüttenmeister Jost Gundlach im Jahr 1648 der Gemeinde stiftete, vom Wohlstand der Glasmacher. Mit zahlreichen Objekten, Medienstationen und kurzweiligen Informationen bietet die Ausstellung im Museum Hagenow spannende Einblicke in ein seltenes Handwerk. Im Dezember 2023 erklärte die UNESCO die Manuelle Glasfertigung zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit.

Wassermühle Zirzow

Zirzow – von der Wassermühle zum Wasserkraftwerk

Die im Bestand, wie er sich bei der Betriebseinstellung vor einiger Zeit zeigte, erhaltene Zirzower Mühle ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie man seit dem Mittelalter die Energie des fließenden Wassers nutzte und dafür die Landschaft umgestaltete. Die Wasserkraftanlage der Zirzower Mühle ist Teil eines 1999 eröffneten Energie-Wanderweg-Karte mit neun Stationen, der durch die Umgebung von Neubrandenburg führt.

Der Bach, der vom Malliner See zur Tollense fließt, wird heute als Malliner Wasser bezeichnet. Er war in geschichtlicher Zeit die natürli­che Grenze zwischen den Redariern und Tollensern, zwischen den Bistü­mern Havelberg und Cammin, zwi­schen Mecklenburg-Schwerin und -Strelitz. Als Grenzgewässer wurde er befestigt und ausgebaut und sein Gefälle für den Bau von Mühlen genutzt, an deren Orten sich Übergänge über das Wasser fanden.

Die Zirzower Mühle wurde erstmals im Jahre 1230 urkundlich erwähnt. Sie war eine von fünf Wassermühlen, die sich im Bachtal befanden, und hat als einzige überlebt.

Bis zur Aufhebung des Klosters Broda 1555 war sie überwiegend in dessen Besitz und wurde dann herzogliches Eigentum. Am Standort kam 1590 eine Walkmühle, 1625 eine Schneidemühle dazu. Eine nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder errichtete Mühle ist seit 1753 im Besitz der Familie Hoffschildt. 1760 musste sie nach einem Brand neu aufgebaut werden. Eine Brandkatastrophe vernichtete 1858, fast 100 Jahre später, erneut nahezu alle Mühlengebäude. Neben dem Wiederaufbau der Mahl- und Schneidemühle wurde zusätzlich eine Ölmühle und eine Kleereiberei eingerichtet. Das aus Raps gewonnene Öl brachte zunächst gute Einnahmen. Hauptabnehmer war die Friedrich-Franz-Eisenbahn. Sie führte nahe der Mühle vorbei und verbesserte wie eine Chaussee von Weitin nach Zirzow den Absatz der Mühle. Eine ebenfalls neue Bäckerei sorgte zusätzlich für die Wirtschaftlichkeit des Anwesens.

Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhunderts erforderten veränderte wirtschaftliche Verhältnisse eine Reaktion seitens der Mühlenbesitzer. Die Ölmühle konnte nicht erhalten werden, weil die Friedrich-Franz-Eisenbahn wegen der Umstellung der Beleuchtung auf Petroleum und Karbid kein Rapsöl mehr abnahm. Die Bäckerei wurde geschlossen und dafür den Bäckern mehr Mehl geliefert. Die Kleereiberei warf ebenfalls nicht mehr genug Gewinn ab.

Um 1900 war die Müllerfamilie aber auch für ihre Aufgeschlossenheit bei der Nutzung der neusten Technik in der Umgebung und in der Stadt Neubrandenburg bekannt. Die Mühle verfügte 1900 bereits über einen Telefonanschluss. 1902 wurde eine Turbinenanlage eingebaute. Zwei Turbinen lösten die beiden oberschlächtigen Wasserräder ab. Daneben gab es eine Hochdrucklokomobile. Ab 1904 konnte sich die Zirzower Mühle mittels einer 110 Volt-Gleichstromanlage selbst mit Strom versorgen. Aus der Sägemühle war ein Dampfsägewerk geworden.  

1913 ersetzte man die  Turbinen durch zwei Francis-Schacht-Turbinen mit einer Leistung von 25 und 45 PS. Sie blieben bis zu ihrer Außerbetriebnahme 1952 in der Mühle. Die erste Turbine diente dem Antrieb des Sagegatters, die zweite Turbine trieb die Mühle und den Generator an.

Nach der Beseitigung der Folgen eines Dachstuhlbrandes 1939 wurde auch die ganze Mühleneinrichtung, bestehend in einem Quetschwalzenstuhl, einem Ausmahlwalzenstuhl, einem Schrotgang, einem weiteren Mahlgang sowie einem vierteiligen Plansichter, erneuert. Eine Kornreinigungsanlage mit automatischer Waage, eine Schälmaschine sowie eine Bereitungsmaschine für Graupen und eine Grieß­putzmaschine komplettierten die Ausrüstung.

Die Enteignung und Überführung der Mühle in Volkseigentum konnten nach 1945 zunächst abgewendet werden. Mühle und Sägewerk blieben im Privatbesitz. Das Sägewerk arbeitete fast ausschließlich für die Bezahlung von Reparationskosten an die Sowjetunion.

Als bei der Wasserwirtschaftlichen Rahmenplanung 1952 von der Forschungs­stelle Güstrow ein Verzeichnis der vorhandenen und geplanten Wasserkraft­anlagen im Bezirk Neubrandenburg erstellt wurde, war unter den geplanten Anlagen ein Wasserkraftwerk am Malliner Wasser im Be­reich Zirzow-Weitin mit einer Ausbauleistung von rd. 180 kW und einer möglichen Jahresarbeit von rd. 540000 kWh.

Wurde der Mühlenbetrieb deshalb 1953 eingestellt. Nach Gründung der LPG Typ III Zirzow wurde die Mühle zur ZGE (Zwischengenossenschaftliche Einrichtung) Mischfutterwerk Zirzow Mühle.

Nach der politischen Wende erhielt die Familie Hoffschildt die Mühle 1990 mit allen ihren Rechten in vollem Umfang zurück. Die Turbinenanlage wurde mit Hilfe von polnischen Fachleuten 1998 wieder in Betrieb genommen. Seit über 45 Jahren konnte wieder Strom mit Hilfe von Wasserkraft erzeugt werden. Einen Mühlenbetrieb gab es seit Mitte der 1990er Jahre nicht mehr.

Heute ist eine Energiegewinnung mittels Turbine wegen Wassermangel nur noch eingeschränkt – vorrangig im Winter – möglich.

Jürgen Kniesz

Das Teerschwelerhandwerk als immaterielles Kulturerbe

Köhlerhof Wiethagen „Holzkohle seit dem Mittelalter“

Holzkohle –wer hat sie nicht schon verwendet?  Wie aber entsteht sie?

Holzkohle herzustellen, bedeutet sich einer der ältesten Techniken der Köhlerei zu bedienen. Allerdings ist der Beruf des Köhlers heute fast ausgestorben. Wie können wir uns dennoch der Geschichte der Köhlerei, ihrer handwerklichen Ausführung bzw. der Verwendung ihrer Produkte nähern?

Ganz einfach mit einem Besuch des Forst- und Köhlerhofes Wiethagen am südlichen Rande der Rostocker Heide. Hier wird das, seit 1837 mit dem Vertrag zur Gründung der Teerschwelerei Wiethagen durch Johann Schütt, beheimatete Handwerk vorgestellt und regelmäßig ausgeübt. In der ehemaligen Teerschwelerei steht der einzige in Deutschland noch nachweislich betriebene Teerschwelofen, der neben Holzkohle auch Holzteer und Teeressig auf althergebrachte Weise erzeugen kann.

Viermal im Jahr werden bei einem Brand etwa 16 rm Laubholz aus der Rostocker Heide chemisch umgewandelt und mit dem FSC-Siegel versehen. Es entstehen 1,4 bis 1,6 t Holzkohle und ca. 100 l reiner Holzteer bzw. ca. 200l Teeressig. Dazu wird der Teerofen per Handarbeit mit Lehm geputzt, Holz eingestapelt und genau eine Woche lang im Abstand von zwei Stunden durchgängig geheizt, eine sehr aufwendige Arbeit. Danach kühlt, der liebevoll “alter Brummel“ genannte Teerofen, in etwa 3 Wochen ab. Erst bei etwa 35 Grad darf er geöffnet werden, um einen Brand im Inneren auszuschließen. Wieder in Handarbeit wird dann mit einer Schaufel die entstandene Holzkohle hinausbefördert und in Säcke verpackt. Nun erfolgt die Restauration des Teerofens und das Einstapeln von Laubholz, in Tradition aus der Rostocker Heide, kann von vorn beginnen.

Mehr Informationen über die sogenannte Pyrolyse haben die noch ehrenamtlich arbeitenden Mitglieder des Vereins der Freunde und Förderer des Forst- und Köhlerhofes Rostock- Wiethagen e.V. parat und freuen sich über interessierte Besucher aller Altersklassen.

Seit 1984 sind das Köhlerhaus, die Fachwerkscheune, welches das Museum beinhaltet, und die zwei doppelwandig gemauerten Teeröfen als Denkmalensemble der Hanse- und Universitätsstadt Rostock gelistet. Eine besondere Auszeichnung erhielt der Hof 2014 mit dem Wissen des alten Köhlerhandwerkes durch den Eintrag auf die Liste des immateriellen Kulturerbes Deutschlands.

Zu einem gern gebuchten Erlebnis wird der Besuch des Forst- und Köhlerhofes Wiethagen für Schulklassen oder Reisegruppen. Warum nicht ein Unterricht im grünen Klassenzimmer? Warum nicht den Geschichten aus der Rostocker Heide lauschen, die im Skulpturenpark plastisch illustriert wurden? Im Jahr 2021 ist auch der Pfad in die nationale Liste des immateriellen Kulturerbes in das Register vorbildlicher Praxisbeispiele eingetragen worden.

Mit vielen Mitgliedern des europaweit fungierenden Köhlerverbandes, in dem auch der Köhlerhof Wiethagen Mitglied ist, wird aktuell eine Eintragung in das internationale Register des Immateriellen Kulturerbes angestrebt. So bleibt es weiterhin spannend und lohnenswert, die alte Geschichte Mecklenburgs zu erhalten.

 

 


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