Kulturdenkmal des Jahres

Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) weist mit seiner jährlichen Wahl des Kulturdenkmals des Jahres auf die Vielfalt des kulturellen Erbes hin und macht auf gefährdete Elemente der Kulturlandschaft aufmerksam. Das Kulturdenkmal des Jahres wurde 2004 zum ersten Mal ausgerufen.
 

    Kulturdenkmal des Jahres 2022

    Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) hat „Historische Mühlen und Hämmer zum Kulturdenkmal des Jahres 2022 gewählt. Als Bundesverband der Bürger- und Heimatvereine, der zusammen mit seinen Landesverbänden die Interessen von rund einer halben Million Mitgliedern vertritt, möchte der BHU mit der jährlichen Initiative „Kulturdenkmal des Jahres“ auf bedeutende und erhaltenswerte Kulturlandschaftselemente aufmerksam machen.

    Den Flyer zu den Mühlen aus ganz Deutschland können Sie in gewünschter Anzahl in unserer Schweriner Geschäftsstelle bestellen.

    Gemeinsam mit Jürgen Kniesz und Jan-Ludwig Bauditz vom Mühlenverein Mecklenburg-Vorpommern veröffentlicht der Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern jeden Monat eine Mühle des Monats.

    Historische Mühlen

    Die lange Entwicklungsgeschichte der Mühlen hat eine Vielzahl von Varianten hervorgebracht, die sich unter anderem durch ihre Nutzungsart und Antriebskraft unterscheiden lassen. So finden wir neben den klassischen Getreidemühlen auch Sägemühlen, Papiermühlen, Schleifmühlen, Drahtziehmühlen, Ölmühlen und viele weitere Typen. Die jeweillige Antriebsart steht häufig mit der geographischen Topologie in Verbindung, sodass beispielsweise Wassermühlen besonders in Regionen mit Gefälle oder Windmühlen im Flachland erbaut wurden. Wo Wasser und Wind fehleten, wurde die Muskelkraft der Menschen oder Tiere genutzt. Aufgrund des Nutzungswandels der Energiequellen zu Kohle, Öl oder Atomkraft rückten historische Mühlen auch als Handwerksbetriebe zusehends in den Hintergrund. Dabei sind gerade sie als Zeugen vergangenner Handwerkskunst und als landschaftsprägende Denkmäler der Technik besonders schützenswert.

    Besondere Kulturlandschaftselemente

    Historische Mühlen stellen ganz besondere Elemente der Kulturlandschaft dar, weil sie bereits seit Jahrtausenden das Leben der Menschen erleichtern und damit ein herausragendes Beispiel für die Verbindung von Technik und Baukunst sind. In der Landschaft sind sie oft identitätsstiftende Landmarken. Mehr noch: Sie prägen die Kulturlandschaft, die sie umgibt. So wurden beispielsweise für den Antrieb von Wassermühlen eigene Kanäle angelegt, die meist von natürlichen  Flussläufen abzweigten und so dem Mühlrad oder der Wasserturbine Aufschlagswasser zuführten. Schleusen, Staudämme und Wehre halfen bei der Regulierung des Wasserstandes. Die ersten Mühlen gab es schon 1200 vor Christus in Mesopotamien, die in Form von naturkraftbetriebenen Maschinen die künstliche Bewässerung mit Wasserschöpfrädern gewährleisten sollten. In Europa waren es die Römer, die sich als erste die Mühlen zunutze machten. Vitruv beschrieb 24 vor Chr. die erste Mühle mit Steinmahlgang. In ihren Anfängen stand das Mahlen von Getreide im Vordergrund , doch im Laufe der Jahrhunderte wurde ihre Antriebskraft für eine Vielzahl von technischen Nutzungsmöglichkeiten gebraucht.

    Gefährdete Kulturdenkmäler

    Im Zuge der Industrialisierung und der Erfindung der Dampfmaschine verloren die mit Wind, Wasser- und Muskelkraft angetriebenen Mühlen  merklich an Bedeutung. Zwar blieben sie bis in die Nachkriegsepoche unverzichtbare Arbeitsmaschinen, dennoch wurden sie letzendlich durch motoriesierte und wetterunabhängige Industriemühlen verdrängt. Mit dem Mühlstillegungsgesetz von 1957 wurde in der BRD das sogenannte Mühlensterben entgültig besiegelt. Zudem werden Wassermühlen aufgrund der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie von einer Nutzung ausgeschlossen und verfallen oft trotz Denkmalstatus.

    Durch den Wandel hin zu erneuerbarer Energien steht ihre Nutzung wieder stärker im Fokus und die Anerkennung ihres Kulturhistorischen Wertes steigt. Dies lässt sich an der Sanierung vieler historischer Mühlen erkennen, die der Öffentlichkeit heute wieder zugänglich gemacht werden.

     

    Die Mühle des Monats September steht in Stove

    Stove – ein Wahrzeichen in Behandlung

    Die Erdholländermühle in Stove gilt als Wahrzeichen und wird seit den 1990er-Jahren als „Salzhaff-Symbol“ touristisch vermarktet. Das regelmäßige Schaumahlen lockte zahlreiche Interessente an. Gleichzeitig kann das gut erhaltene Mühleninnere besichtigt werden. Ein Heimatmuseum mit seiner Ausstellung in einer alten Scheune gegenüber der Mühle und ein kleines Backhaus ergänzen die Anlage.

    Um eine der bekanntesten und sehenswertesten Windmühlen des Landes weiterhin auch in Betrieb mit Windkraft vorführen zu können, wird sie seit 2020 saniert. Trotz vieler, zum Teil erst bei den Arbeiten festgestellter Mängel kann die erneute Inbetriebnahme hoffentlich 2023 erfolgen.

    Die älteste Nachricht von einer Stover Mühle findet sich in einer undatierten, vermutlich aus der 1. Hälfte des 16. Jh. stammenden Übersicht über geistliche Pächte, die das Amt Buckow unter anderem aus Stove einzog. Konkreter werden die Nachrichten in der Mitte des 18. Jahrhunderts, als die Bockwindmühle zum Domanium gehörte. Sie wurde bis 1818 auf Zeit verpachtet, danach in Erbpacht verkauft. Auf der Suche nach einem Käufer beschrieb man das Anwesen: "Die Gebäude bestehen in einem Wohnhause, in einem hinter demselben gelegenen Stall und Wagenschauer und in der Mühle selbst, welche in gutem Stande ist, und sich vorzüglich durch ihren schnellen Umtrieb und leichten Gang besonders auszeichnet. Vor dem Hause ist ein guter Brunnen, so wie neben demselben ein Backofen.“ 1850 verfügte die Bockwindmühle über Mahl-, Sicht- und Graupengang.

    Trotz der Vererbpachtung wechselte die Müller relativ häufig. 1889 ließ Johannes Tiedemann, der die Tochter seines Vorgängers geheiratet hatte, die heutige Holländermühle von der Rostocker Mühlenbaufirma Hofwolt nach dem damals modernsten Stand der Windmühlentechnik bauen. Nachdem die alte und die neue Mühle zwei Tage nebeneinander gestanden hatten, wurde die alte Bockwindmühle demontiert, nach Greves­mühlen transpor­tiert und dort wieder in Betrieb genommen.

    Tiedemann arbeitete bis zu seinem Tod 1908 in der Mühle. Danach wechselte der Hof wieder häufiger die Besitzer, unter denen aber kein gelernter Müller war. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten wuchsen. Auch der Einbau eines elektrischen Hilfsmotors brachte keinen nennenswerten Erfolg. Erst als im Zuge eines Siedlungsverfahrens 1932 die Landwirtschaft vom Mühlenbetrieb getrennt wurde, ging es wieder bergauf. Zur Mühle gehörten jetzt Bäckerei und die 6,73 ha große Büdnerei. Inhaber wurde ein Müllermeister, der die Mühle 1936 modernisierte und eine Getreidereinigung einbaute.

    1940 übernahm Hans Mirr die Mühle und betrieb während der Kriegs- und Nachkriegsjahre auch die Bäckerei. Die noch in Betrieb befindliche Windmühle wurde seit 1974 von Mirr für Besichtigungen und Führungen geöffnet. 1976 gab der 67jährige Müller sein Gewerbe auf. Die mit Holzschindeln gedeckte Mühle ist insgesamt 15 m hoch. Der Durchmesser der Windrose beträgt 3,5 m, der des Flügelkreuzes aus Stahlprofilen 22 m. An den 2,3 m breiten Flügeln befinden sich je 56 hölzerne Jalousieklappen. Bei Windstärke 4-5 beträgt die Leistung 25 PS bzw. etwa 18 kW. Der Elektromotor, unter dem Fußboden eingebaut, hat eine Leistung von 12 kW. Von den ursprünglich vorhandenen zwei Gängen war nur noch der Schrotgang erhalten. Der Mahlgang zur Herstellung von Feinmehl wurde durch Walzenstühle abgelöst.

    Bis zuletzt hatte die Mühle trotz des seit den zwanziger Jahren vorhandenen Elektromotors auch mit Windkraft gearbeitet und jährlich 600 t Getreide vermahlen. Sie dürfte somit eine der letzten Windmühlen in Mecklenburg gewesen sein, die durchgehend bis zu ihrer endgültigen Stilllegung mit Windantrieb arbeiten konnte.

    Der Landkreis Wismar kaufte 1978 die Mühle und machte sie als technisches Museum der Öffentlichkeit zugänglich. Hans Mirr betreut sie bis zu seinem 80. Lebensjahr noch weiter. Für die Mühle begann eine Karriere als Vorzeigeobjekt für Denkmalpflege und Tradition der Landwirtschaft im Bezirk Rostock. Sie wurde ein Teil der „Traditionsstätte der sozialistischen Landwirtschaft Dorf Mecklenburg“. Der Besuch einer koreanischen Delegation, von Mirr durch die Mühle geführt, sorgte für Schlagzeilen.

    Nach der Wende wurde die Mühle 1991 Eigentum der Gemeinde Boiensdorf, zu der das Dorf Stove gehört. Müllermeister Rudolf Goldbach, der von 1947 bis 1950 seinen Beruf in Stove erlernte, betreute sie seit 1991 über viele Jahre als produzierende Schauanlage. Bis heute sorgt sich der Windmühlen- und Museumsverein Stove um die Mühle und sichert die regemäßigen Öffnungszeiten.

    Die Mühle des Monats August steht in Neubukow

    Die Wassermühle Neubukow – eine verschenkte Wasserkraft?

    Die Mühlengeschichte Neubukows beginnt mit dem Bau einer Wassermühle im Zuge der Stadtgründung im 13. Jahrhundert.

    Die heute noch vorhandene Wassermühle ist ein Industriebau aus der Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert mit kompletter Mühlentechnik, die noch funktionstüchtig wäre, zurzeit aber nicht in Betrieb ist. Die erforderliche Energie konnte bis 1975 nach mit Hilfe einer Turbine aus Wasserkraft gewonnen werden.

    In der Wassermühle, dem ältesten Betrieb der Stadt, unterlagen die Einwohner bis ins 19. Jahrhundert hinein dem Mahlzwang, d. h. sie waren gezwungen, nur diese Mühle zu nutzen. Lediglich Korn, welches nach drei Tagen nicht abgemahlen war, durften sie auf andere Mühlen brin­gen.

    Nachdem der Besitz der Mühle zunächst zwischen verschiedenen adligen Familien wechselte, war sie seit dem 15. Jahrhundert im Besitz des Landesherrn.

    Ein „Inventarium" beschrieb die Mühle 1576 „mit zwei Glinden" als ein Gebäude von 12 Gebinden, mit Ziegeln gedeckt und baufällig. Sie hatte ausreichendes Wasser und "zimblich viel Muhlengeste". Erst am Ausgang des 18. Jahrhunderts häuften sich Klagen über Wassermangel. Zur Verbesserung der Wasserführung wurde ein Damm aufgeschüttet. Die Umleitung des Hellbaches erfolgte vermutlich schon früher. Die Klagen verstummten aber auch im 19. Jahrhundert nicht. Der Mühlteich war zugewachsen und lieferte weder bei Dürre im Sommer noch bei Frost im Winter ausreichend Wasser. Die Wasser­mühle bestand damals aus zwei Korngängen und einem Graupengang sowie der da­bei befindlichen Ölmühle. Seit 1827 gehörte noch eine Windmühle zur Pachtung.

    Als die Mühle 1874 in Erbpacht überführt wurde, umfasste das Anwesen das Wohnhaus mit der Wassermühle, Wasch- und Backhaus, Pferde-, Kuh- und Schweinestall, Scheunen und die holländische Windmühle. Beim Verkauf 1901 wurden die Wassermühle und die Windmühle getrennt. Der neue Erbpächter der Wassermühle ersetzte das Wasserrad 1906 durch eine Francis-Turbine mit 65 PS, baute eine Anlage zur Stromerzeugung ein und versorgte ab dem 1.9.1906 bis 1937 Neubukow mit elektrischem Strom.

    Beim endgültigen Verkauf in Privatbesitz ging "das Erbmühlengrundstück vor dem Mühlentor nebst Speicher mit Gren­zen, in welchen die Stadt dieses Grundstück 1910 ... erworben und seitdem … verpachtet hatte, mit allem Zubehör als Mühleneinrich­tung, Dampfkessel und elektrischer Zentrale, mit Mühlenteich nebst Rohrwerbung, dem Acker am Malpendorfer Weg, dem Wasserrecht, auch mit allen darauf ruhenden Lasten und Abgaben ..." auf den bisherigen Pächter über. Der neue Besitzer baute die histo­ri­sche Mühle vollkommen neuzeitlich aus. Im Jahre 1917 kam eine Lanzlokomobile, 1919 eine zweite Turbine und 1935 ein Dieselmotor mit 155 PS hinzu. Mit sechs doppelten Walzenstühlen und zwei Mahlgängen wurden schließlich jähr­lich 2300 t Roggen und 1000 t Weizen vermahlen. Große wirtschaftliche Bedeutung hatte das seit 1936 gebaute Getreidesilo mit 15 Zellen und einem Gesamtfassungsvermögen von 1142 Tonnen. Der unverputzte Ziegelbau steht der Mühle gegenüber.

    1972 wurde die Wassermühle Teil des VEB Mühlenwerke Bad Kleinen und ging in Volkseigentum über. Schon 1960 gab es eine staatliche Beteiligung. Nach 1965 wurde in drei Schichten gearbeitet und jährlich 6600 Tonnen Getreide verarbeitet.

    Die beiden Turbinen der Wassermühle wurden 1975 außer Betrieb genommen. Die Mühle arbeitete fortan mit Elektroenergie aus dem öffentlichen Netz. Einem Umbau und der Modernisierung der mühlentechnischen Ausstattung der Wassermühle 1989 folgte 1990 die Stilllegung der ehemaligen Wassermühle und ihre Rückübertragung an die Alteigentümer. Ein Projekt zur Energiegewinnung aus Wasserkraft sah 1992 die Regenerierung der beiden Turbinen der Wassermühle vor. Bei einem Gefälle von 4 m und einem mittleren Wasserverbrauch von 2 m3/s sollte eine Jah­resleistung von 320000 kWh erzielt werden. Am 1.11.1993 konnte die Wasserkraftanlage durch den damaligen Wirtschaftsminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern Conrad-Michael Lehment eingeweiht werden.

    Versuche zur erneuten Produktionsaufnahme nach einer Verpachtung der Mühle scheiterten seitdem mehrfach. Schroten, Schälen, Mischen, Quetschen und Mahlen von Getreide sowie die Lagerung im Silo und im Mehlsilo wäre möglich.

    Die 1993 eingeweihte Wasserkraftanlage blieb bis 2003 in Betrieb. Heute, seit dem Bau einer Fischaufstiegsanlage am Hellbach, geht das über den Fischaufstieg abfließende Wasser aber dem Mühlenbetrieb verloren. Die Aufstiegsanlage wurde mit dem Einverständnis des Grundstücks- und Mühlenbesitzers gebaut. Ein Kompromiss erlaubte 25 % des Abflusses durch die Mühle und 75 % über den Fischaufstieg. Ein Mühlenbetrieb sollte erst einsetzen dürfen, wenn der Wasserstand im Teich eine festgelegte Höhe übersteigt.

    Die so verhinderte erneute Nutzung der Mühlentechnik, u.a. mit sieben Walzenstühlen und vier Plansichtern, führt seitdem zu rasant fortschreitenden Verfall. Der Teich verlandet. Von einem einst florierenden Mühlenbetrieb bleibt nur das große Backsteingebäude mit fehlenden Nutzungsmöglichkeiten, eine gemauerte Hülle.

    Die Mühle des Monats Juli steht in Gottun

    Die Schamper Mühle bei Gotthun

    Die Holländerwindmühle unweit des Westufers der Müritz präsentiert sich dem Vorbeifahrenden mit einem sanierten Mühlenkörper, mit Haube, aber ohne Flügel. Ebenso fehlt ihr die technische Ausstattung. Als eine der wenigen noch freistehenden Windmühlen in Mecklenburg und markante Landmarke ist sie dennoch besonders wertvoll. Ihr Überleben verdankt sie dem Einbau von Ferienwohnungen.

    Eine sogenannte Schamper Mühle wurde erstmals 1342 erwähnt. Damals handelte es sich noch um eine Wassermühle. Das ihr den Namen gebende Dorf Schampe zwischen Groß Kelle und Zirzow war um 1350 bereits wüst.

    Die Mühle wurde im Dreißigjährigen Krieg um 1640 zerstört, der Ort blieb danach 24 Jahre unbewohnt. Am 29.6.1664 wurde ein neuer Erbkauf- und Pachtkontrakt zwischen dem Kloster Dobbertin als Eigentümer und dem Grubenhäger Müller Jochim Hävel über diesen Mühlenplatz geschlossen. Das Klosteramt wollte die Mühle und die damit zusammenhängenden Einnahmen wieder nutzen. Hävel erklärte sich zum Wiederaufbau bereit. Das Kloster stellte das Bauholz zur Verfügung und verlangte von seinen Untertanen Hand- und Spanndienste. Der Müller erhielt die wiederaufgebaute Wassermühle zu günstigen Konditionen in Erbpacht.

    Einhundert Jahre später gab es neben der Wassermühle bereits eine Windmühle. Nach dem „GrundRiss von der Lage der Schamper Mühle etc. zum Hochadelichen Closter Dobbertin gehörig …“ von 1762 stand eine Bockwindmühle östlich der Schamper Wassermühle auf dem Großen Mühlenkamp nördlich der Straße nach Röbel. Die Karte ist bisher der einzige Hinweis auf die Windmühle. Unbekannt ist, wie lange sie stand. Genutzt wurde sie vermutlich nur, wenn die Wassermühle wegen fehlendem Wasser nicht arbeiten konnte.

    Die heutige Holländerwindmühle wurde 1810 gebaut, nachdem die Wassermühle eingehen musste. Der Gutsbesitzer von Bülow zahlte dem Kloster 1000 Taler in Gold zu ihrer Stilllegung um das Land besser zu nutzen.

    Die neue Windmühle wurde zunächst nur zeitverpachtet. Mit ihr war auch das Recht der Branntweinbrennerei, später die Bewirtschaftung des Straßenkrugs verbunden. Nach 1835 war sie wieder in Erbpacht. Besitzer der Mühle blieb das Klosteramt Dobbertin. Bis 1939, als die Mühle einen Flügel verlor, wurde ausschließlich mit Windkraft gearbeitet. Danach trieb ein Dieselmotor, später ein Elektromotor die Müllereimaschinen.

    Schon 1929 war die Mühle im Rahmen einer Mühlenerfas­sung der Lan­des­amts für Denkmalpflege in Schwerin als erhaltenswert eingestuft worden. Noch 1950 war sie in Betrieb. Ihr wurde ein guter baulicher Zustand attestiert. Ein Foto zeigt sie 1951 in ihrer vollen Schönheit mit intaktem Flügelkreuz und Windrose. Erst das mit den LPG-Gründungen einhergehende allgemeine Mühlensterben führte auch bei der Schamper Mühle zur Betriebseinstellung. Nach dem Tod des letzten Besitzers 1958 ging die Mühle in den Besitz der LPG Typ I Gotthun über, die sie bis 1964 nutzte.

    Mehrmalige Ansätze einer Restaurierung und Nutzung erhielten sie mehr schlecht als recht. Von der Technik im Inneren blieb nichts erhalten. Es war den Röbeler Mühlenfreunden zu verdanken, dass die Mühle gesichert und Löcher im Rumpf und im Dach geschlossen wurden. Das Engagement war der Grundstein ihrer Erhaltung.

    Nach dem Verkauf der Mühle 2000 begann 2002 ihre Sanierung und der Einbau von Ferienwohnungen. Die Idee, die Mühle innen baulich vertikal zu teilen und zwei Ferienwohnungen einzurichten, die sich von unten nach oben, jeweils über drei Etagen erstrecken, wurde umgesetzt. Jede Wohnung erhielt einen separaten Eingang. 2004 wurden die Wohnungen erstmalig vermietet, noch hatte man vor, auch wieder Flügel an die Mühle zu bringen.

    Die Vermietung der Ferienwohnung wurde – warum auch immer – bald aufgegeben, die Mühle begann erneut zu verfallen. Im Frühjahr 2020 wurde sie erneut verkauft. Der neue Eigentümer hat die beiden Ferienwohnungen und den Außenbereich unter Berücksichtigung der Geschichte saniert und umgebaut. Seit 2021 können wieder Gäste einziehen.

    Vielleicht werden – so der erneute Plan – auch einmal wieder Flügel angebracht werden, damit sie wieder wie eine „richtige“ Windmühle aussieht.

    Schon jetzt ist ihr Bestand wieder einmal gesichert.

    Die Mühle des Monats Juni steht in Schwerin

    Die Schleifmühle Schwerin

    Erste Wassermühlen wurden in Schwerin schon im Zuge der Stadtgründung im ausgehenden 12. Jahrhundert angelegt und gehören damit zu den ältesten Mühlen Mecklenburgs überhaupt. Heute lässt ein Standort am Faulen See die Schweriner Mühlengeschichte erleben.

    In der Schleifmühle, einem technischen Denkmal, wurden in der Nähe des Schlossgartens u. a. seit 1755 steinerne Treppenstufen, Tischplatten und Wandbekleidungen für die Schlösser Mecklenburgs gefertigt. In den 1980er Jahren wurde die Mühlenanlage rekonstruiert und die Technik der Steinschleiferei funktionstüchtig nachgebaut. 1985 konnte die Mühle als Museum eröffnet werden.

    Die Geschichte des Mühlenstandortes begann vor mehr als 300 Jahren und war durch häufige Umbauten und Funktionswechsel geprägt.

    Zuerst ließ Herzog Friedrich Wilhelm 1704 hier eine Pulvermühle anlegen, die aber nur bis 1708 und mit geringem Erfolg arbeitete. Schon 1711 wurde sie zur Lohmühle umgebaut. Auch dieser war keine lange Existenz bestimmt. Durch Hochwasser 1715 zerstört, stand sie bis 1718 still, bevor sie zu einer Graupenmühle umgebaut wurde. 1744 war sie Kornmühle, 1747 wurde das Mühlengebäude erneuert und die Mühlentechnik komplettiert. Der Einbau einer kleinen Steinschleifwerkstatt in der zunächst Schreibtischutensilien, Domino­steine und Materialien für Ein­legearbeiten hergestellt wur­den, stellte die Weichen. Sie wurde auf Verlangen von Herzog Christian Ludwig vergrößert. 1755 erfolgte der endgültige Umbau zur Schleifmühle und 1757 die Anstellung von Johann August Wangel als Steinschleifer und Schleifmühleninspektor. Seine Wohnung war neben der Mühle. Die Büdnerei, auch heute Teil des Ensembles,  bestand "aus einem massiven Wohnhause nebst Hofplatz, mehreren Ställen und einem zu einer Tagelöhner-Wohnung eingerichteten Nebengebäude, zweien Gärten und einer Wiese. Das Wohnhaus enthält 5 heizbare Zimmer, 5 Kammern, eine Küche nebst Speisekammer und einen Keller. Die Gärten sind mit tragbaren Obstbäumen bepflanzt und gewähren einen reichlichen Ertrag.“

    Conrad Niedt, der 1830 neuer Inspektor der Schleifmühle geworden war, starb 1842. Mit ihm erlosch die Stelle eines Schleifmühlen-Inspektors. Hofbaurat Demmler übernahm die Verwaltung. Die Mühle arbeitete bis 1857 fast ausschließlich für den Neubau des Schlosses. Nachdem das Schloss weitgehend fertiggestellt war, verschwand das Interesse des Großherzogs an der Mühle. 1862 wurde sie zum Einrichten einer Wollspinnerei verpachtet. 1867 trieb „der kleine Bach, welcher den Faulen mit dem Schweriner See verbindet, … an seinem Ausflusse aus ersterem eine Mühle, die ehemalige Schleifmühle, jetzt zur Färberei-Fabrik eingerichtet“. 1904 wurde das Unternehmen vom Hofmarschallamt wegen Baufälligkeit geschlossen. In der Folge diente das Gebäude als Lagerraum, beherbergte eine Elektroschaltstation und wurde auch bewohnt. Das erhalten gebliebene Wasserrad verlieh ihm einen romantischen Charme und war so letztlich für den Erhalt „verantwortlich“.

    Wieder sichtbar gemacht wurde zwischen 1983 bis 1985 die reichlich einhundert Jahre lange Periode der Steinschleiferei. Die neu entstandene Schauanlage wird von einem unterschlächtigen Wasserrad mit einem Durchmesser von 4,50 m angetrieben, der Wasserzulauf durch ein Wehr gesteuert. Mit der Steinsäge wird anschaulich gezeigt, wie Steine unterschiedlicher Größe, in der Mehrzahl Granite, getrennt wurden

    Am Pfingstmontag diesen Jahres war die Schleifmühle Gastgeber für die bundesweite Eröffnung des Deutschen Mühlentags. Ein Besuch des Museums ist aber auch darüber hinaus immer lohnenswert.

    Gemeinsam mit Jürgen Kniesz und Jan-Ludwig Bauditz vom Mühlenverein Mecklenburg-Vorpommern veröffentlicht der Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern jeden Monat eine Mühle des Monats.

    Die Mühle des Monats Mai steht in Neu Gaarz

    Die Gaarzer Mühle – Windmühlenerleben und Bootsausflüge

    Die kleine Erdholländerwindmühle wurde 1805 von dem Erbpächter der Fleether und Mirower Mühlen als Mahlmühle mit Roggen- und Graupengang auf dem sogenannten Gehren erbaut und an einen Pachtmüller vergeben. Nachdem die Mirower Wassermühle gelegt worden war, sollte sie den Zwangsmahlgästen aus Gaarz und Vietzen die weiten Wege nach Mirow oder Fleeth ersparen. Das auch als Gehrensche, später Gaarzer Mühle bezeichnete Anwesen bildete seit 1809 gemeinsam mit den Ortsteilen Alt und Neu Gaarz den Ort Gaarz. Es bestand außer der Mühle nur aus einem Wohnhaus, Speicher und Stall.

    Seit 1822 versuchte der Fleether Müller seine bis dahin immer verpachtete Gaarzer Mühle meistbietend als separate Erbpachtstelle zu verkaufen. Seine Hoffnung, sein „Capital mäßig verzinset zu sehen“, war enttäuscht worden. Eine neue Windmühle bei Vipperow entzog Kunden, das Bauerndorf Gaarz war eine Meierei geworden, das zur Mühle gehörige Land hatte schlechten Boden, die Weide im Vorland der Müritz war zu klein. Dreißig Jahre lang scheiterten alle Verkaufsversuche. Aus mehreren Gründen verweigerte das Kammerkollegiums in Neustrelitz seine Zustimmung. Erst 1854 wurde die Separation und der Verkauf genehmigt. Neuer Erbpächter wurde Heinrich Leo.

    Der 1781 in Röbel Geborene hatte schon ein sehr bewegtes Leben hinter sich: Verheiratet mit der Tochter eines Warener Mühlenmeisters war er bis 1814 Webermeister zu Röbel, dann Jäger 1815 bis 1819 in Gneve und 1820 bis mindestens 1834 in Ludorf, anschließend Mühlenmei­ster zu Vipperow bevor er Besitzer der Gehrenschen oder Gaarzer Mühle wurde. In seiner Familie blieb der Mühlenhof bis 1958.

    In der gesamten Zeit wurde die kleine, teilweise unterkellerte Mühle nicht verändert. Von den Gebäuden hat Leo in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lediglich das Wohnhaus ausgebaut. Trotz aller Probleme gelang es der Familie bescheidenen Wohlstand anzusammeln und durch das Können der Söhne weitere Mühlen in Mirow, Röbel und Waren zu erwerben.

    Die Gaarzer Mühle kam über eine Tochter an die Müllerfamilie Maas. 1946 ließ Mühlenbesitzer Wilhelm Maass seinen Eltern einen Grabstein auf dem Friedhof in Alt Gaarz setzen: „Hier ruhen in Gott, des Wanderns müde, die Mühlenbesitzerin Auguste Maass geb. Leo, * 29.3.1861, + 25.4.1944 in Gaartzer Mühle. Der Mühlenbesitzer Hermann Maass, * 5.5.1863 in Melz, + 18.1.1946 in Gaartzer Mühle, von Eurem Wilhelm“. Auf dem erhaltenen Doppelgrabstein befindet sich die Abbildung eines Mühlsteines.

    Über die weitere Geschichte informiert eine Tafel an der Mühle. Wilhelm Maas verunglückte 1948 tödlich. Seine Witwe bewirtschaftete die Mühle zehn Jahre mit Unterstützung durch Flüchtlingsfamilien, bevor sie 1958 verkauft. 1960 wurde der Mühlenbetrieb aufgegeben, aber noch Mischfutter produziert, 1970 die Mühle zur Ferienunter­kunft ausgebaut. Die gesamte Technikausstattung ging verloren.

    Die Familie, der die Mühle bis heute gehört, betrieb auf dem Grundstück weiter Landwirtschaft. Nach 1989 investierte sie in die touristische Nutzung der Mühle. In drei Etagen befinden sich je eine Ferienwohnung mit Küchenzeile und kombinierten Schlaf- und Aufenthaltsraum, in der 4. Etage ein weiterer Aufenthaltsraum. Geworben wird mit der Gaarzer Mühle als idealem Ausgangspunkt für ausgedehnte Bootsausflüge, Angeltouren, Badespaß, Radtouren, Reiten und Naturerlebnisse der besonderen Art.

    Das Ensemble zeigt bis heute die Wohn- und Wirtschaftsverhältnisse eines Müllers als kleinem „ländlichen Unternehmer“, der den mangelhaften Ertrag seiner Mühle durch einen ebenso schwierigen landwirtschaftlichen Betrieb stützen musste. Mit dem Turm der Mühle, dem Wohnhaus und den beiden Wirtschaftsgebäuden blieb das komplette Ensemble erhalten und wird heute noch bis auf die Mühle selbst landwirtschaftlich betrieben. In dieser Form ist im Land kein anderer Mühlenhof bekannt. Die anstehende Restaurierung und notwendige Modernisierungen sollten darauf Rücksicht nehmen.

    Die Mühle des Monats April...

    dreht sich in Kuchelmiß

    Eine erste Mühle in Kuchelmiß wurde 1558 gebaut. Die Serrahner Wassermühle der Grafen von Hahn wurde auf den Mühlenkamp in Ku­chelmiß verlegt, da dieser näher am Hauptgut lag. Trotzdem wurde sie auch später noch als Schlossmühle Serrahn bezeichnet.

    Die in ritterschaftlichem Besitz befindliche Mühle wurde regelmäßig verpachtet und in den Verträgen Rechte und Pflichten des Pächters detailliert festgelegt. 1630 zum Beispiel hatte der Müller außer den jährlichen Abgaben an Korn und Malz auch 20 junge Hühner, frische Eier und Rauch­speck zu liefern, die Mühlensteine und das Wehr in Ordnung zu halten sowie die Gebäude auf eigene Kosten zu reparieren. Der zur Mühle gehörige Aalfang sollte durch zwei Schlösser gesi­chert werden, so dass der Müller nur im Beisein des Verwal­ters die Kiste öffnen konnte, deren Inhalt dann geteilt wurde.

    Das heutige Gebäude mit Mühle und Wohnung entstand 1750 nachdem am 1.1.1748 ein verheerender Sturm die großen Eichen- und Buchenwälder um Kuchelmiß, Serrahn und Langhagen vernichtet hatte. Einhundert Jahre später hatte man den Mühlenbetrieb um eine Ölstampfe erweitert, die Ölmühle aber nur bis 1873 arbeitete und 1899 abgerissen wurde.

    1866 war das Wasserrad der Mühle durch eine Turbine ersetzt worden, verbunden mit umfangreichen Modernisierungen am Mahlwerk. Auch eine Elektro- und eine Wasserleitung wurden von der Mühle zum Schloss gelegt. Das Wasserrad gehörte der Vergangenheit an. 1896 kam es zu einer vollständigen Erneuerung des Mahlwerkes, das jetzt dem neuesten technischen Stand entsprach.

    1945 unterliegen Mühle und Gut der Bodenreform. Der langjährige Pächter Herbert Mevius wird Besitzer der Mühle. Nach seinem Tod führte die Tochter Ilse die Mühle von 1954 bis 1960 als erste Müllerin Mecklenburgs. Auch nach der Übernahme der Mühle durch die LPG bewohnte die Familie weiterhin die Müllerwohnung. Von der LPG Kuchelmiß wurde noch bis zum Jahre 1974 mit Hilfe der Wasserturbine Mischfutter hergestellt.

    1980 wurde die Mühle zum technischen Denkmal erklärt und dem Museum Güstrow übergeben. Es begannen eine umfangreiche Restaurierung und die Einrichtung zu einem Mühlenmu­seum. Die technischen Anlagen wurden in den Zustand von 1930 versetzt. Bis heute können die Ausstellung der kompletten Mühlentechnik, Einrichtungsgegenstände einer Müller- und einer Gesellenwohnung und die Außenanlage einer Wassermühle von den Besuchern erlebt werden.

    Pläne, die Mühle als Schauanlage wieder mit Wasserkraft zu betreiben und eine der beiden ehemals vorhandenen Francis-Turbinen zu überarbeiten und wieder einzubauen, scheiterten nach dem Versagen des Wasserrechts und dem Bau einer Fischaufstiegsanlage. 2014 wurde diese Anlage noch einmal optimiert, um „aufstiegswilligen Organismen“ – den Fischen – das Passieren des Mühlenstandortes zu ermöglichen.

    Damit wird an diesem Standort deutlich, dass der Bau und Unterhalt von Fischtreppen keine Einzelaktionen sind, sondern laufenden Unterhaltungsaufwand und weitere Umbaukosten verursachen. Es bleibt zweifelhaft, ob der erhoffte Erfolg diesen Umbau der historischen Kulturlandschaft durch den Menschen rechtfertigt.

    Ob es den 2001 in Mecklenburg erstmalig nachgewiesenen Kurzflügelkäfer (Dianous coerulescens), der ausschließlich im Moos des Spritzwasserbereiches freifallenden Wassers, z. B. von Mühlenbauwerken lebt, noch gibt, ist unbekannt. In Kuchelmiß konnte der Käfer am 28.7.2002 im Moos an einer Betonkante zur Wasserführung unterhalb der Wassermühle im Durchbruchstal der Nebel gefunden werden.

    In ihrer Internetpräsentation zur Wassermühle Kuchelmiß versprechen die neuen Pächterinnen 2022, einen Ort des kulturellen und kulinarischen Austauschs schaffen - im sanften und respektvollen Umgang zur wilden Umgebung - auch wenn seit dem Bau der Fischtreppe zu wenig Wasser der Nebel zur Verfügung steht, um ein Mühlenrad in Bewegung zu setzen. „Dafür erreichen die Bachforellen nun mühelos ihren Laichplatz. Auch schön.“

    Die Mühle des Monats März dreht sich in Malchow

    Stadtwindmühle Malchow

    Im 13. und 14. Jahrhundert arbeiteten rund um die Stadt Malchow herum mehrere Wassermühlen. Sie befanden sich auf dem Festland, während die Stadt selbst auf einer Insel lag. Im 18. Jahrhundert kamen zu diesen Wassermühlen noch Windmühlen hinzu.

    Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich die Zahl der Windmühlen auf drei erhöht. Eine verbliebene Wassermühle des Klosters verlor an Bedeutung.

    Obwohl es den Windmühlen nicht an Mahlgästen fehlte, gab es Streitigkeiten. Unter anderem sollen sich 1851 zwei Müller gegenseitig bezichtigt haben, sich den Wind den Wind wegzunehmen. Als keine Einigung mehr möglich schien, brach Müllermeister Joachim Heinrich Schröder seine Mühle ab und baute auf dem sogenannten Schwerin‘schen Berg eine neue Mühle nach holländischer Art. Wie die anderen Windmühlen war sie den jeweiligen Müllern. Als sogenannte Stadtwindmühle ist sie heute eines der Wahrzeichen der Inselstadt.

    1882, inzwischen gab es vier Windmühlen, musste sie zwangsversteigert werden. Der neue Besitzer vergrößerte den Betrieb um eine Bäckerei und hat die Leistungsfähigkeit der Mühle 1892 durch den Bau einer Dampfmaschine erheblich gesteigert. Hinzu kam ein großes Lagerhaus. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie erneut umgebaut und modernisiert. In den 1920er Jahren löste der Elektromotor die Dampfmaschine ab. Jetzt konnten täglich bis zu 10 t Brotgetreide gemahlen werden.

    1940 verkaufte die Witwe und Erbin des letzten Müllers die Dampf- und Windmühle mit dem Kornspeicher, den sonstigen Baulichkeiten und allem Acker an die Stadt. Als Stadtmühle wurde sie verpachtet und bis 1959 weitergeführt.

    1948 wurden Flügel und Windrose demontiert. Der Pächter meinte, die Windmüllerei sei überaltert. „Zigtausend Windmühlen sind in den letzten 20 Jahren aus dem Landschaftsbilde verschwunden. Die Erhaltungskosten stehen in keinem Verhältnis mehr zu den Erträgen.“ Dem Ansinnen wurde vom Rat der Stadt Malchow zugestimmt, "da die Stadtmühle Malchow nicht unter Naturschutz steht".

    1959 wurde die Technik entfernt. Die Mühle verfiel bis in die 1990er Jahre. Pläne, sie zu einer Bauernstube auszubauen, wurden nie verwirklicht. Erst zwischen 1995 und 1998 erfolgte über ABM-Maßnahmen eine umfangreiche Restaurierung der Mühle mit dem Neubau von Kappe und Flügelanlage. Die Absicht, mit den neuen Flügeln auf ökologisch vertretbare Weise elektrischen Strom zu produzieren, konnte nur einige Jahre in bescheidenem Maße umgesetzt werden.

    Seitdem wird die Mühle für Ausstellungen genutzt und ist Mittelpunkt der jährlichen Feste zum Deutschen Mühlentag.

    Die Mühle des Monats Februar dreht sich in Rüting

    Die Rütinger Mühle

    Die Wassermühle Rüting liegt an der Stepenitz, etwa 20km nördlich von Schwerin. Die Stepenitz wurde hier zum Teich aufgestaut, um das Wasser zum Mahlen bevorraten zu können. Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts wurden dafür drei unterschlächtige Wasserräder genutzt.

    Eine Wasserkraftnutzung reicht vermutlich bis ins 14. Jahrhundert zurück. Damals befand sich die  Mühle im Besitz der Schweriner Herzöge. Der erste schriftlich vorliegende Pachtvertrag mit Müller Vollert Clasen stammt aus dem Jahr 1669.

    Die heute existierenden Gebäude des Mühlenhofes wurden 1877/81 errichtet. 1946 baute der letzte Müller Walter Groth eine Henschel-Jonval-Turbine in einem hölzernen Schacht ein. Die Turbine stammt aus der Wassermühle Kuchelmiß, wo sie seit 1866 betrieben wurde. Sie ist  wahrscheinlich die letzte Turbine dieser Bauart in Norddeutschland, die Einzige, die in einem frei stehenden Schacht besichtigt werden kann. Die Mühle in Rüting verfügt damit über eine besondere historische Technik der Wasserkraftnutzung. Als Denkmal der Mecklenburger Mühlengeschichte wurde sie 1987 mit dem Speicher in das Denkmalverzeichnis des Kreises Grevesmühlen aufgenommen. Später wurden auch der Stall, der Turbinenschacht, das Freiwehr und das Trafohaus unter Denkmalschutz gestellt. So prägte die Mühle mit den umliegenden technischen Bauten diesen Ort als Abbild der Technikgeschichte. Das Trafohaus und das Freiwehr wurden inzwischen trotz Denkmalschutz abgerissen.

    Die Mühle wurde noch bis 1975 als Schrotmühle durch die damalige LPG  als Schrotmühle betrieben.  

    Der neue Eigentümer beantragte 1995 die Bestätigung des alten Wasserrechtes um die Wasserkraft wieder nutzen zu dürfen. Schließlich sollte die Wassermühle auch von außen als solche mit Wasserrad wieder erkennbar sein. Das von der Landesbehörde im Jahr 2000 vorgeschlagene Verfahren ist bis heute, nach fast 27 Jahren, nicht abgeschlossen. Die modernisierte Wasserkraftanlage wurde im Herbst 2014 am historischen Standort der früheren Wasserräder bzw. des Turbinenschachtes als oberschlächtiges Wasserrad mit einem Durchmesser von 2,66m errichtet.

    Das Wasserrad darf nicht laufen, obwohl es CO2-freien Strom für etwa 20 Haushalte bereitstellen könnte. Hier könnte ein lokaler Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden. Die ausstehende Betriebsgenehmigung ist das große Problem, das immer wieder zum Verlust tätiger Wassermühlen im Lande führt. Von Seiten der Landesbehörden genießen Fischaufstiegsanlagen Vorrang und Mühlen verlieren ihr Wasser, Räder können sich nicht mehr drehen, die Technik verrottet.

    Hier könnte  eine saubere Energie  in der von Menschen geschaffenen Kulturlandschaft genutzt und dadurch ein Baudenkmal als Mühle erkennbar erhalten werden.

     

    Die Mühle des Monats Januar dreht sich in Röbel

    Windmühle Röbel – zweimal vor dem Sterben bewahrt

    Der Röbeler Burgberg ist mindestens seit 1485 als Windmühlenstandort bekannt. Eine erste Mühle wurde bald nach dem Schleifen der fürstlichen Burg errichtet. Sie gehörte zur Altstadt von Röbel.

    Die in herzoglicher Erbpacht zuerst für das Kloster und dann für den Rat der Stadt mahlende Bockwindmühle fiel 1569 einem Sturm zum Opfer. Nach dem Wiederaufbau wurde sie im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Erst am Ende des 17. Jahrhunderts war die Stadt in der Lage zusätzlich zur Wassermühle, eine neue Stadt- oder Ratswindmühle zu bauen. Diese wurde nach 1800 von einer Holländischen Windmühle abgelöst, die um 1830 abbrannte und 1831 durch die heutige Galerie-Holländermühle ersetzt wurde. Eine Besonderheit unter den mecklenburgischen Windmühlen ist, dass bei ihr auch die unteren Etagen in ausgemauertem Fachwerk bestehen.

    1888 kaufte Müllermeister Carl Bonneval die Mühle mit der damit verbundenen Bäckerei und modernisierte sie. 1905 legte er seine Bäckerei still, um sich ganz dem Mühlenbetrieb widmen zu können. Die maschinelle Einrichtung der Mühle wurde erneut verbessert, der Ausbau auch in den Kriegs- und Nachkriegszeiten fortgesetzt. Als Müllermeister Hans Bonneval 1921 das Geschäft seines Vaters übernahm, wurden weitere Maschinen und ein Kraftmotor ange­schafft. Die Flügel wurden entfernt.

    Trotz aller Umbauten waren die Räumlich­keiten zu klein, um die Mühle wirtschaftlich zu betreiben. Bonneval baute 1929 eine moderne 10-Tonnen-Mühle und erweiterte den Betrieb um den Handel mit Getreide, Futter- und Düngemitteln.

    Um die alte 100jährige Windmühle nicht sterben zu lassen, verkaufte er sie 1929 an den Reichsverband für Deutsche Jugendherbergen. Die Mühle wurde entkernt und blieb bis 1991 Jugendherberge.

    Nach Jahren ungenutzten Daseins erfolgte eine erneute Rettung vor dem drohenden Sterben. Die letzte Röbeler Windmühle wurde durch die Stadt für rund 360000 € saniert. Im Mai 2006 wurde die restaurierte Haube auf die Mühle aufgesetzt, im Juni 2006 erhielt sie 23 m lange Flügel zurück. Seitdem wird sie von engagierten Bürgern als kulturelles Zentrum und für Ausstellungen – auch zur Röbeler Mühlengeschichte – genutzt und regelmäßig geöffnet. Sie wurde ein sicht- und erlebbares Wahrzeichen auf dem Berg, der seit dem Mittelalter für die Stadt von Bedeutung war.

    Kulturdenkmal des Jahres aus früheren Jahren

    Folgende Kulturlandschaftselemente waren bisher Kulturdenkmal des Jahres:

    • 2004: Brunnen
    • 2005: Die Dorfkirche
    • 2006: Historische Bahnhöfe
    • 2007: Brücken und Brückenheilige
    • 2008: Historische Wirtshäuser
    • 2009: Richt- und Gerichtsstätten
    • 2010: Historische Schulgebäude
    • 2011: Historische Wasserbauten
    • 2012: Historische Wege
    • 2013: Historische Amts- und Rathäuser
    • 2015: Historische Friedhöfe
    • 2017: Historische Gedenkorte
    • 2018: Historische Keller
    • 2019: Historische Nutzgärten
    • 2020: Historische Orte der Heilung und Gesundheit
    • 2021: Historische Orte der Gemeinschaft

    Direkt zu den Projekten

    Kontakt

    Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern e.V.
    Mecklenburgstraße 31
    19053 Schwerin
    Telefon: 0385-5777 3711
    e-Mail:
    geschaeftsstelle( at )heimatverband-mv.de
    buchsteiner( at )heimatverband-mv.de

    Bi facebook un bi instagramm:


    Gefördert durch


    Wir sind Mitglied im Bund für Heimat und Umwelt in Deutschland e.V.

    Spenden

    Wie alle gemeinnützigen Vereine ist der Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. auf die Beiträge seiner Mitglieder und Spenden von Förderern angewiesen. Die großzügige Förderung durch das Land Mecklenburg-Vorpommern macht auch die Einbringung von eigenen Mitteln notwendig. Darüber hinaus können nicht alle Ausgaben über Fördermittel gedeckt werden.

    Wir sind berechtigt eine Spendenquittung auszustellen, die Sie bei ihrem Finanzamt steuerlich geltend machen können. Wenden Sie sich dafür mit Ihren Kontaktdaten bitte an die Geschäftsstelle.

    Unsere Kontodaten

    Empfänger: Heimatverband MV
    IBAN: DE03 1405 2000 1711 4215 50
    Bank: Sparkasse Mecklenburg-Schwerin

    Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. · Mecklenburgstraße 31 · 19053 Schwerin