Kulturdenkmal des Jahres

Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) weist mit seiner jährlichen Wahl des Kulturdenkmals des Jahres auf die Vielfalt des kulturellen Erbes hin und macht auf gefährdete Elemente der Kulturlandschaft aufmerksam. Das Kulturdenkmal des Jahres wurde 2004 zum ersten Mal ausgerufen.
 

    Kulturdenkmal des Jahres 2022

    Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) hat „Historische Mühlen und Hämmer zum Kulturdenkmal des Jahres 2022 gewählt. Als Bundesverband der Bürger- und Heimatvereine, der zusammen mit seinen Landesverbänden die Interessen von rund einer halben Million Mitgliedern vertritt, möchte der BHU mit der jährlichen Initiative „Kulturdenkmal des Jahres“ auf bedeutende und erhaltenswerte Kulturlandschaftselemente aufmerksam machen.

    Den Flyer zu den Mühlen  aus ganz Deutschland können  Sie bestellen  in gewünschter Anzahl in unserer Schweriner Geschäftsstelle.

    Gemeinsam mit Jürgen Kniesz und Jan-Ludwig Bauditz vom Mühlenverein Mecklenburg-Vorpommern veröffentlicht der Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern jeden Monat eine Mühle des Monats.

    Die Mühle des Monats Mai

    steht in Neu Gaarz

    Die Gaarzer Mühle – Windmühlenerleben und Bootsausflüge

    Die kleine Erdholländerwindmühle wurde 1805 von dem Erbpächter der Fleether und Mirower Mühlen als Mahlmühle mit Roggen- und Graupengang auf dem sogenannten Gehren erbaut und an einen Pachtmüller vergeben. Nachdem die Mirower Wassermühle gelegt worden war, sollte sie den Zwangsmahlgästen aus Gaarz und Vietzen die weiten Wege nach Mirow oder Fleeth ersparen. Das auch als Gehrensche, später Gaarzer Mühle bezeichnete Anwesen bildete seit 1809 gemeinsam mit den Ortsteilen Alt und Neu Gaarz den Ort Gaarz. Es bestand außer der Mühle nur aus einem Wohnhaus, Speicher und Stall.

    Seit 1822 versuchte der Fleether Müller seine bis dahin immer verpachtete Gaarzer Mühle meistbietend als separate Erbpachtstelle zu verkaufen. Seine Hoffnung, sein „Capital mäßig verzinset zu sehen“, war enttäuscht worden. Eine neue Windmühle bei Vipperow entzog Kunden, das Bauerndorf Gaarz war eine Meierei geworden, das zur Mühle gehörige Land hatte schlechten Boden, die Weide im Vorland der Müritz war zu klein. Dreißig Jahre lang scheiterten alle Verkaufsversuche. Aus mehreren Gründen verweigerte das Kammerkollegiums in Neustrelitz seine Zustimmung. Erst 1854 wurde die Separation und der Verkauf genehmigt. Neuer Erbpächter wurde Heinrich Leo.

    Der 1781 in Röbel Geborene hatte schon ein sehr bewegtes Leben hinter sich: Verheiratet mit der Tochter eines Warener Mühlenmeisters war er bis 1814 Webermeister zu Röbel, dann Jäger 1815 bis 1819 in Gneve und 1820 bis mindestens 1834 in Ludorf, anschließend Mühlenmei­ster zu Vipperow bevor er Besitzer der Gehrenschen oder Gaarzer Mühle wurde. In seiner Familie blieb der Mühlenhof bis 1958.

    In der gesamten Zeit wurde die kleine, teilweise unterkellerte Mühle nicht verändert. Von den Gebäuden hat Leo in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lediglich das Wohnhaus ausgebaut. Trotz aller Probleme gelang es der Familie bescheidenen Wohlstand anzusammeln und durch das Können der Söhne weitere Mühlen in Mirow, Röbel und Waren zu erwerben.

    Die Gaarzer Mühle kam über eine Tochter an die Müllerfamilie Maas. 1946 ließ Mühlenbesitzer Wilhelm Maass seinen Eltern einen Grabstein auf dem Friedhof in Alt Gaarz setzen: „Hier ruhen in Gott, des Wanderns müde, die Mühlenbesitzerin Auguste Maass geb. Leo, * 29.3.1861, + 25.4.1944 in Gaartzer Mühle. Der Mühlenbesitzer Hermann Maass, * 5.5.1863 in Melz, + 18.1.1946 in Gaartzer Mühle, von Eurem Wilhelm“. Auf dem erhaltenen Doppelgrabstein befindet sich die Abbildung eines Mühlsteines.

    Über die weitere Geschichte informiert eine Tafel an der Mühle. Wilhelm Maas verunglückte 1948 tödlich. Seine Witwe bewirtschaftete die Mühle zehn Jahre mit Unterstützung durch Flüchtlingsfamilien, bevor sie 1958 verkauft. 1960 wurde der Mühlenbetrieb aufgegeben, aber noch Mischfutter produziert, 1970 die Mühle zur Ferienunter­kunft ausgebaut. Die gesamte Technikausstattung ging verloren.

    Die Familie, der die Mühle bis heute gehört, betrieb auf dem Grundstück weiter Landwirtschaft. Nach 1989 investierte sie in die touristische Nutzung der Mühle. In drei Etagen befinden sich je eine Ferienwohnung mit Küchenzeile und kombinierten Schlaf- und Aufenthaltsraum, in der 4. Etage ein weiterer Aufenthaltsraum. Geworben wird mit der Gaarzer Mühle als idealem Ausgangspunkt für ausgedehnte Bootsausflüge, Angeltouren, Badespaß, Radtouren, Reiten und Naturerlebnisse der besonderen Art.

    Das Ensemble zeigt bis heute die Wohn- und Wirtschaftsverhältnisse eines Müllers als kleinem „ländlichen Unternehmer“, der den mangelhaften Ertrag seiner Mühle durch einen ebenso schwierigen landwirtschaftlichen Betrieb stützen musste. Mit dem Turm der Mühle, dem Wohnhaus und den beiden Wirtschaftsgebäuden blieb das komplette Ensemble erhalten und wird heute noch bis auf die Mühle selbst landwirtschaftlich betrieben. In dieser Form ist im Land kein anderer Mühlenhof bekannt. Die anstehende Restaurierung und notwendige Modernisierungen sollten darauf Rücksicht nehmen.

    Die Mühle des Monats April...

    dreht sich in Kuchelmiß

    Eine erste Mühle in Kuchelmiß wurde 1558 gebaut. Die Serrahner Wassermühle der Grafen von Hahn wurde auf den Mühlenkamp in Ku­chelmiß verlegt, da dieser näher am Hauptgut lag. Trotzdem wurde sie auch später noch als Schlossmühle Serrahn bezeichnet.

    Die in ritterschaftlichem Besitz befindliche Mühle wurde regelmäßig verpachtet und in den Verträgen Rechte und Pflichten des Pächters detailliert festgelegt. 1630 zum Beispiel hatte der Müller außer den jährlichen Abgaben an Korn und Malz auch 20 junge Hühner, frische Eier und Rauch­speck zu liefern, die Mühlensteine und das Wehr in Ordnung zu halten sowie die Gebäude auf eigene Kosten zu reparieren. Der zur Mühle gehörige Aalfang sollte durch zwei Schlösser gesi­chert werden, so dass der Müller nur im Beisein des Verwal­ters die Kiste öffnen konnte, deren Inhalt dann geteilt wurde.

    Das heutige Gebäude mit Mühle und Wohnung entstand 1750 nachdem am 1.1.1748 ein verheerender Sturm die großen Eichen- und Buchenwälder um Kuchelmiß, Serrahn und Langhagen vernichtet hatte. Einhundert Jahre später hatte man den Mühlenbetrieb um eine Ölstampfe erweitert, die Ölmühle aber nur bis 1873 arbeitete und 1899 abgerissen wurde.

    1866 war das Wasserrad der Mühle durch eine Turbine ersetzt worden, verbunden mit umfangreichen Modernisierungen am Mahlwerk. Auch eine Elektro- und eine Wasserleitung wurden von der Mühle zum Schloss gelegt. Das Wasserrad gehörte der Vergangenheit an. 1896 kam es zu einer vollständigen Erneuerung des Mahlwerkes, das jetzt dem neuesten technischen Stand entsprach.

    1945 unterliegen Mühle und Gut der Bodenreform. Der langjährige Pächter Herbert Mevius wird Besitzer der Mühle. Nach seinem Tod führte die Tochter Ilse die Mühle von 1954 bis 1960 als erste Müllerin Mecklenburgs. Auch nach der Übernahme der Mühle durch die LPG bewohnte die Familie weiterhin die Müllerwohnung. Von der LPG Kuchelmiß wurde noch bis zum Jahre 1974 mit Hilfe der Wasserturbine Mischfutter hergestellt.

    1980 wurde die Mühle zum technischen Denkmal erklärt und dem Museum Güstrow übergeben. Es begannen eine umfangreiche Restaurierung und die Einrichtung zu einem Mühlenmu­seum. Die technischen Anlagen wurden in den Zustand von 1930 versetzt. Bis heute können die Ausstellung der kompletten Mühlentechnik, Einrichtungsgegenstände einer Müller- und einer Gesellenwohnung und die Außenanlage einer Wassermühle von den Besuchern erlebt werden.

    Pläne, die Mühle als Schauanlage wieder mit Wasserkraft zu betreiben und eine der beiden ehemals vorhandenen Francis-Turbinen zu überarbeiten und wieder einzubauen, scheiterten nach dem Versagen des Wasserrechts und dem Bau einer Fischaufstiegsanlage. 2014 wurde diese Anlage noch einmal optimiert, um „aufstiegswilligen Organismen“ – den Fischen – das Passieren des Mühlenstandortes zu ermöglichen.

    Damit wird an diesem Standort deutlich, dass der Bau und Unterhalt von Fischtreppen keine Einzelaktionen sind, sondern laufenden Unterhaltungsaufwand und weitere Umbaukosten verursachen. Es bleibt zweifelhaft, ob der erhoffte Erfolg diesen Umbau der historischen Kulturlandschaft durch den Menschen rechtfertigt.

    Ob es den 2001 in Mecklenburg erstmalig nachgewiesenen Kurzflügelkäfer (Dianous coerulescens), der ausschließlich im Moos des Spritzwasserbereiches freifallenden Wassers, z. B. von Mühlenbauwerken lebt, noch gibt, ist unbekannt. In Kuchelmiß konnte der Käfer am 28.7.2002 im Moos an einer Betonkante zur Wasserführung unterhalb der Wassermühle im Durchbruchstal der Nebel gefunden werden.

    In ihrer Internetpräsentation zur Wassermühle Kuchelmiß versprechen die neuen Pächterinnen 2022, einen Ort des kulturellen und kulinarischen Austauschs schaffen - im sanften und respektvollen Umgang zur wilden Umgebung - auch wenn seit dem Bau der Fischtreppe zu wenig Wasser der Nebel zur Verfügung steht, um ein Mühlenrad in Bewegung zu setzen. „Dafür erreichen die Bachforellen nun mühelos ihren Laichplatz. Auch schön.“

    Die Mühle des Monats März dreht sich in Malchow

    Stadtwindmühle Malchow

    Im 13. und 14. Jahrhundert arbeiteten rund um die Stadt Malchow herum mehrere Wassermühlen. Sie befanden sich auf dem Festland, während die Stadt selbst auf einer Insel lag. Im 18. Jahrhundert kamen zu diesen Wassermühlen noch Windmühlen hinzu.

    Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich die Zahl der Windmühlen auf drei erhöht. Eine verbliebene Wassermühle des Klosters verlor an Bedeutung.

    Obwohl es den Windmühlen nicht an Mahlgästen fehlte, gab es Streitigkeiten. Unter anderem sollen sich 1851 zwei Müller gegenseitig bezichtigt haben, sich den Wind den Wind wegzunehmen. Als keine Einigung mehr möglich schien, brach Müllermeister Joachim Heinrich Schröder seine Mühle ab und baute auf dem sogenannten Schwerin‘schen Berg eine neue Mühle nach holländischer Art. Wie die anderen Windmühlen war sie den jeweiligen Müllern. Als sogenannte Stadtwindmühle ist sie heute eines der Wahrzeichen der Inselstadt.

    1882, inzwischen gab es vier Windmühlen, musste sie zwangsversteigert werden. Der neue Besitzer vergrößerte den Betrieb um eine Bäckerei und hat die Leistungsfähigkeit der Mühle 1892 durch den Bau einer Dampfmaschine erheblich gesteigert. Hinzu kam ein großes Lagerhaus. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie erneut umgebaut und modernisiert. In den 1920er Jahren löste der Elektromotor die Dampfmaschine ab. Jetzt konnten täglich bis zu 10 t Brotgetreide gemahlen werden.

    1940 verkaufte die Witwe und Erbin des letzten Müllers die Dampf- und Windmühle mit dem Kornspeicher, den sonstigen Baulichkeiten und allem Acker an die Stadt. Als Stadtmühle wurde sie verpachtet und bis 1959 weitergeführt.

    1948 wurden Flügel und Windrose demontiert. Der Pächter meinte, die Windmüllerei sei überaltert. „Zigtausend Windmühlen sind in den letzten 20 Jahren aus dem Landschaftsbilde verschwunden. Die Erhaltungskosten stehen in keinem Verhältnis mehr zu den Erträgen.“ Dem Ansinnen wurde vom Rat der Stadt Malchow zugestimmt, "da die Stadtmühle Malchow nicht unter Naturschutz steht".

    1959 wurde die Technik entfernt. Die Mühle verfiel bis in die 1990er Jahre. Pläne, sie zu einer Bauernstube auszubauen, wurden nie verwirklicht. Erst zwischen 1995 und 1998 erfolgte über ABM-Maßnahmen eine umfangreiche Restaurierung der Mühle mit dem Neubau von Kappe und Flügelanlage. Die Absicht, mit den neuen Flügeln auf ökologisch vertretbare Weise elektrischen Strom zu produzieren, konnte nur einige Jahre in bescheidenem Maße umgesetzt werden.

    Seitdem wird die Mühle für Ausstellungen genutzt und ist Mittelpunkt der jährlichen Feste zum Deutschen Mühlentag.

    Die Mühle des Monats Februar dreht sich in Rüting

    Die Rütinger Mühle

    Die Wassermühle Rüting liegt an der Stepenitz, etwa 20km nördlich von Schwerin. Die Stepenitz wurde hier zum Teich aufgestaut, um das Wasser zum Mahlen bevorraten zu können. Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts wurden dafür drei unterschlächtige Wasserräder genutzt.

    Eine Wasserkraftnutzung reicht vermutlich bis ins 14. Jahrhundert zurück. Damals befand sich die  Mühle im Besitz der Schweriner Herzöge. Der erste schriftlich vorliegende Pachtvertrag mit Müller Vollert Clasen stammt aus dem Jahr 1669.

    Die heute existierenden Gebäude des Mühlenhofes wurden 1877/81 errichtet. 1946 baute der letzte Müller Walter Groth eine Henschel-Jonval-Turbine in einem hölzernen Schacht ein. Die Turbine stammt aus der Wassermühle Kuchelmiß, wo sie seit 1866 betrieben wurde. Sie ist  wahrscheinlich die letzte Turbine dieser Bauart in Norddeutschland, die Einzige, die in einem frei stehenden Schacht besichtigt werden kann. Die Mühle in Rüting verfügt damit über eine besondere historische Technik der Wasserkraftnutzung. Als Denkmal der Mecklenburger Mühlengeschichte wurde sie 1987 mit dem Speicher in das Denkmalverzeichnis des Kreises Grevesmühlen aufgenommen. Später wurden auch der Stall, der Turbinenschacht, das Freiwehr und das Trafohaus unter Denkmalschutz gestellt. So prägte die Mühle mit den umliegenden technischen Bauten diesen Ort als Abbild der Technikgeschichte. Das Trafohaus und das Freiwehr wurden inzwischen trotz Denkmalschutz abgerissen.

    Die Mühle wurde noch bis 1975 als Schrotmühle durch die damalige LPG  als Schrotmühle betrieben.  

    Der neue Eigentümer beantragte 1995 die Bestätigung des alten Wasserrechtes um die Wasserkraft wieder nutzen zu dürfen. Schließlich sollte die Wassermühle auch von außen als solche mit Wasserrad wieder erkennbar sein. Das von der Landesbehörde im Jahr 2000 vorgeschlagene Verfahren ist bis heute, nach fast 27 Jahren, nicht abgeschlossen. Die modernisierte Wasserkraftanlage wurde im Herbst 2014 am historischen Standort der früheren Wasserräder bzw. des Turbinenschachtes als oberschlächtiges Wasserrad mit einem Durchmesser von 2,66m errichtet.

    Das Wasserrad darf nicht laufen, obwohl es CO2-freien Strom für etwa 20 Haushalte bereitstellen könnte. Hier könnte ein lokaler Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden. Die ausstehende Betriebsgenehmigung ist das große Problem, das immer wieder zum Verlust tätiger Wassermühlen im Lande führt. Von Seiten der Landesbehörden genießen Fischaufstiegsanlagen Vorrang und Mühlen verlieren ihr Wasser, Räder können sich nicht mehr drehen, die Technik verrottet.

    Hier könnte  eine saubere Energie  in der von Menschen geschaffenen Kulturlandschaft genutzt und dadurch ein Baudenkmal als Mühle erkennbar erhalten werden.

     

    Die Mühle des Monats Januar dreht sich in Röbel

    Windmühle Röbel – zweimal vor dem Sterben bewahrt

    Der Röbeler Burgberg ist mindestens seit 1485 als Windmühlenstandort bekannt. Eine erste Mühle wurde bald nach dem Schleifen der fürstlichen Burg errichtet. Sie gehörte zur Altstadt von Röbel.

    Die in herzoglicher Erbpacht zuerst für das Kloster und dann für den Rat der Stadt mahlende Bockwindmühle fiel 1569 einem Sturm zum Opfer. Nach dem Wiederaufbau wurde sie im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Erst am Ende des 17. Jahrhunderts war die Stadt in der Lage zusätzlich zur Wassermühle, eine neue Stadt- oder Ratswindmühle zu bauen. Diese wurde nach 1800 von einer Holländischen Windmühle abgelöst, die um 1830 abbrannte und 1831 durch die heutige Galerie-Holländermühle ersetzt wurde. Eine Besonderheit unter den mecklenburgischen Windmühlen ist, dass bei ihr auch die unteren Etagen in ausgemauertem Fachwerk bestehen.

    1888 kaufte Müllermeister Carl Bonneval die Mühle mit der damit verbundenen Bäckerei und modernisierte sie. 1905 legte er seine Bäckerei still, um sich ganz dem Mühlenbetrieb widmen zu können. Die maschinelle Einrichtung der Mühle wurde erneut verbessert, der Ausbau auch in den Kriegs- und Nachkriegszeiten fortgesetzt. Als Müllermeister Hans Bonneval 1921 das Geschäft seines Vaters übernahm, wurden weitere Maschinen und ein Kraftmotor ange­schafft. Die Flügel wurden entfernt.

    Trotz aller Umbauten waren die Räumlich­keiten zu klein, um die Mühle wirtschaftlich zu betreiben. Bonneval baute 1929 eine moderne 10-Tonnen-Mühle und erweiterte den Betrieb um den Handel mit Getreide, Futter- und Düngemitteln.

    Um die alte 100jährige Windmühle nicht sterben zu lassen, verkaufte er sie 1929 an den Reichsverband für Deutsche Jugendherbergen. Die Mühle wurde entkernt und blieb bis 1991 Jugendherberge.

    Nach Jahren ungenutzten Daseins erfolgte eine erneute Rettung vor dem drohenden Sterben. Die letzte Röbeler Windmühle wurde durch die Stadt für rund 360000 € saniert. Im Mai 2006 wurde die restaurierte Haube auf die Mühle aufgesetzt, im Juni 2006 erhielt sie 23 m lange Flügel zurück. Seitdem wird sie von engagierten Bürgern als kulturelles Zentrum und für Ausstellungen – auch zur Röbeler Mühlengeschichte – genutzt und regelmäßig geöffnet. Sie wurde ein sicht- und erlebbares Wahrzeichen auf dem Berg, der seit dem Mittelalter für die Stadt von Bedeutung war.

    Historische Mühlen

    Die lange Entwicklungsgeschichte der Mühlen hat eine Vielzahl von Varianten hervorgebracht, die sich unter anderem durch ihre Nutzungsart und Antriebskraft unterscheiden lassen. So finden wir neben den klassischen Getreidemühlen auch Sägemühlen, Papiermühlen, Schleifmühlen, Drahtziehmühlen, Ölmühlen und viele weitere Typen. Die jeweillige Antriebsart steht häufig mit der geographischen Topologie in Verbindung, sodass beispielsweise Wassermühlen besonders in Regionen mit Gefälle oder Windmühlen im Flachland erbaut wurden. Wo Wasser und Wind fehleten, wurde die Muskelkraft der Menschen oder Tiere genutzt. Aufgrund des Nutzungswandels der Energiequellen zu Kohle, Öl oder Atomkraft rückten historische Mühlen auch als Handwerksbetriebe zusehends in den Hintergrund. Dabei sind gerade sie als Zeugen vergangenner Handwerkskunst und als landschaftsprägende Denkmäler der Technik besonders schützenswert.

    Besondere Kulturlandschaftselemente

    Historische Mühlen stellen ganz besondere Elemente der Kulturlandschaft dar, weil sie bereits seit Jahrtausenden das Leben der Menschen erleichtern und damit ein herausragendes Beispiel für die Verbindung von Technik und Baukunst sind. In der Landschaft sind sie oft identitätsstiftende Landmarken. Mehr noch: Sie prägen die Kulturlandschaft, die sie umgibt. So wurden beispielsweise für den Antrieb von Wassermühlen eigene Kanäle angelegt, die meist von natürlichen  Flussläufen abzweigten und so dem Mühlrad oder der Wasserturbine Aufschlagswasser zuführten. Schleusen, Staudämme und Wehre halfen bei der Regulierung des Wasserstandes. Die ersten Mühlen gab es schon 1200 vor Christus in Mesopotamien, die in Form von naturkraftbetriebenen Maschinen die künstliche Bewässerung mit Wasserschöpfrädern gewährleisten sollten. In Europa waren es die Römer, die sich als erste die Mühlen zunutze machten. Vitruv beschrieb 24 vor Chr. die erste Mühle mit Steinmahlgang. In ihren Anfängen stand das Mahlen von Getreide im Vordergrund , doch im Laufe der Jahrhunderte wurde ihre Antriebskraft für eine Vielzahl von technischen Nutzungsmöglichkeiten gebraucht.

    Gefährdete Kulturdenkmäler

    Im Zuge der Industrialisierung und der Erfindung der Dampfmaschine verloren die mit Wind, Wasser- und Muskelkraft angetriebenen Mühlen  merklich an Bedeutung. Zwar blieben sie bis in die Nachkriegsepoche unverzichtbare Arbeitsmaschinen, dennoch wurden sie letzendlich durch motoriesierte und wetterunabhängige Industriemühlen verdrängt. Mit dem Mühlstillegungsgesetz von 1957 wurde in der BRD das sogenannte Mühlensterben entgültig besiegelt. Zudem werden Wassermühlen aufgrund der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie von einer Nutzung ausgeschlossen und verfallen oft trotz Denkmalstatus.

    Durch den Wandel hin zu erneuerbarer Energien steht ihre Nutzung wieder stärker im Fokus und die Anerkennung ihres Kulturhistorischen Wertes steigt. Dies lässt sich an der Sanierung vieler historischer Mühlen erkennen, die der Öffentlichkeit heute wieder zugänglich gemacht werden.

     

    Kulturdenkmal des Jahres aus früheren Jahren

    Folgende Kulturlandschaftselemente waren bisher Kulturdenkmal des Jahres:

    • 2004: Brunnen
    • 2005: Die Dorfkirche
    • 2006: Historische Bahnhöfe
    • 2007: Brücken und Brückenheilige
    • 2008: Historische Wirtshäuser
    • 2009: Richt- und Gerichtsstätten
    • 2010: Historische Schulgebäude
    • 2011: Historische Wasserbauten
    • 2012: Historische Wege
    • 2013: Historische Amts- und Rathäuser
    • 2015: Historische Friedhöfe
    • 2017: Historische Gedenkorte
    • 2018: Historische Keller
    • 2019: Historische Nutzgärten
    • 2020: Historische Orte der Heilung und Gesundheit
    • 2021: Historische Orte der Gemeinschaft

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