Trachtenausstellung zum Ausleihen

Für eine Sonderausstellung zu Trachten in Mecklenburg-Vorpommern stellte Olaf Both vom Volkskundemuseum Schönberg 8 Roll-Ups zum Thema Tracht, die er nun als Wanderausstellung zur Verfügung stellt. Die Roll-Ups liegen in der Schweriner Geschäftsstelle und können dort nach Absprache ausgeliehen werden.

In der Ausstellung geht es unter anderem um die Themen Tracht als Kostüm und zur Vermittlung der Identität, Ländliche Kleidung und historische Mode, Küstentracht, Männermode und touristische Vermarktung. Unten finden Sie einen ersten, aber unvollständigen Eindruck der Ausstellungstafeln.

Es ist möglich, die Themen und Tafeln der Ausstellung zu erweitern. Sprechen Sie uns gern dazu an.

Trachtenregionen in Mecklenburg-Vorpommern

Das Phänomen Tracht

Ab dem 18. Jahrhundert haben sich in Europa viele regionaltypische Trachten als Sondergruppenbekleidung herausgebildet. Volkstrachten sind in der Regel in Farbe, Schnitt und Stoffen genau auf die soziale und finanzielle Stellung der Person abgestimmt und geben Auskunft über den Personenstand oder die Trauerstufe der Trägerinnen und Träger. Die in den Museen bewahrten Trachten zeigen meist das Bekleidungsverhalten von reichen Bauern. Sie konnten sich leisten, mit Stoffqualität und -menge ihren Wohlstand zu präsentierten. Deutlich unterschieden werden muss die Alltagskleidung von der in den Museen gesammelten Festtagsbekleidung.
Die allgemeine Bekleidung mecklenburgischer Bauern glich der Abbildung „Bauer und Bäuerin aus der Gegend um Schwerin“, doch auch hier wird es kein einheitliches Erscheinungsbild gegeben haben, wie dies auch andernorts nachweisbar ist.

Kleidung dem Anlass entsprechend

Den ungeschriebenen Regeln unterlag nicht allein die Lebenssituation der Träger – unverheiratet, verheiratet oder verwitwet –, besonders die Feste im Lebens- und Jahreszyklus spiegelten sich in der Tracht wider. Mit der Konfirmation nahmen das junge Mädchen und der junge Mann erstmals am Abendmahl vor der Gemeinde teil. Dieses Abendmahlskleid hatte große Ähnlichkeit mit dem der Trauer, denn schwarz und weiß waren die vorherrschenden Farben. Auch die Mädchenhaube wurde zu diesen Anlässen gegen die schwarze Haube der Frauen eingetauscht. Dass eine verheiratete Frau ohne Jacke, also in weißen Hemdsärmeln, in die Öentlichkeit trat, war unvorstellbar.

Höchste Ehre wurde jedem Bauernkind mit der Feier der Hochzeit zuteil, an der die Nachbarschaft Anteil nahm. Bestickte Brautmieder und Bräutigamswesten, mit Silber verzierte Hochzeitskronen und Bräutigamsschmuck zierten die Sonntagskleidung des Ratzeburger Brautpaares bei der Hochzeit. Der mit zahlreichen Bändern geschmückte „Hochtidenbidder“ lud die Gäste auf dem ebenfalls geschmückten Pferd zur Feier. Der Bräutigam selbst trat mit einem geschmückten Degen vor den Altar, war aber um die Mitte des 19. Jahrhunderts mit Gehrock und Zylinder bereits wesentlich modischer gekleidet. Die Brautjungfern legten zur Hochzeit ihre besten Stücke an: Abendmahlstuch und -schürze und einen verzierten Brautkragen.

 

Theaterkostüm

Die Uraufführung des Volksstückes „Ein Winterabend in einem Mecklenburgischen Bauernhaus“ von Richard Wossidlo fand schon 1900 in Malchin statt, insgesamt weiß man von mindestens 144 Auührungen allein in Mecklenburg. 1901 wurde bei der Versammlung zum 10-jährigen Bestehen des Vereins für Volkskunde in Berlin unter Wossidlo „mit den Damen und Herren aus Malchin“ ein Ausschnitt dargeboten: „Wie zu früheren Zeiten in einem wohlhabenden Bauernhause wohl der Abend verbracht wurde.“

Das Protokoll führte der Berliner Pumpernickel-Fabrikant Herrmann Sökeland - sein Fazit über das Stück zeigt, dass sowohl die Heimatbewegung als auch die deutsche Volkskunde der nationalistischen Ideologie dienten: „[...] Als Gewinn nebenbei würden Darsteller und Zuschauer ihr eigenes Volksleben von früher und jetzt kennen lernen, und damit der besseren Kenntnis desselben auch die Liebe zu ihm und zur Heimat wachsen muss, so ist es in letzter Linie die Vaterlandsliebe, die Nutzen von diesen Bestrebungen haben würde.“ [H. Sökeland.] (Quelle. Zeitschrift des Vereins für Volkskunde 11/1901)

Einige Mitspieler stellten teilweise Kleidungsstücke aus ihrem familiären Bestand zur Verfügung, andere gaben sie zur Leihe. Die Volkstheaterstücke "Ut de Preußentied" von Carl Beyer und die "Bauernhochtied" von Richard Wossidlo folgten. Mitspieler und Zuschauer fanden Freude und Unterhaltung an den in plattdeutscher Sprache aufgeführten Theaterstücken. Das Sammeln und Musealisieren der Kostüme und Requisiten blieb vor allem das Interesse der bürgerlich gebildeten Schichten. Sehr bald jedoch bemerkten die Autoren und Veranstalter, dass es vor allem an guten und zugleich noch tragbaren Trachten mangelte. Um allen Theatervorstellungen gerecht zu werden, entstand eine „Winter-Abend-Leihkiste“ die Trachten und Requisiten enthielt.

 

Vom Theaterkostüm zum Volksgemeinschaftskostüm

Die Turnlehrerin Marie Peters gründete um 1910 die „Schweriner Mädchentanzgruppe“ und legte hiermit einen Grundstein für die Erneuerung von traditioneller Kleidung in Mecklenburg und Vorpommern. Als Grundlage nahm sie die Kleidung der Dienstmädchen, die mit Abweichungen im gesamten norddeutschen Raum jedoch einheitlich schien. Diese Tanzkleidung fand schnelle Verbreitung über die Grenzen der eigentlichen, aber nun verschwundenen Trachtengebiete hinaus. Diese Kleidung mit gestreiftem Rock, der häufig als Warprock bezeichnet wird, trägt in den Folgejahren zur Umbenennung der Tanzkleidung in „Warprocktracht“ bei. Ab den 1930er Jahren wird die „Tracht“ allgemein zum Volksgemeinschaftskostüm und vor allem von den Mitgliedern der NS-Frauenschaft präsentiert. Es mag vielleicht verwundern, aber Mecklenburg war hier ein Vorreiter der „Trachtenerneuerung und Trachtenpflege in Deutschland“: „…weil die Arbeit in Mecklenburg dank dem Zusammentreffen glücklicher Umstände am weitesten gediehen ist. Die Entwicklung in Mecklenburg ging von der Partei aus.“ (A. Brenke. In: Tracht und Schmuck im norddeutschen Raum, 1938). Diese erneuerte Tracht trugen 1937 in der NS-Frauenschaft allein 11.000 Frauen, deren gestreifte Röcke und weiße Schürzen in 30 Webstuben hergestellt wurden. Auch nach Gründung der DDR wurde politisch gelenkt und teilweise unreflektiert auf die Kleidung dieser Erneuerungsbestrebungen zurückgegrien und prägt Trachtenvereine bis heute.

Tracht und Identität

Das Streben der Bauern nach Selbstdarstellung hatte im Fürstentum Ratzeburg eine weitaus größere Tradition als im übrigen Mecklenburg, wo der Bauer erst um 1870 Eigentümer des Hofes werden konnte. Erst da bekam die Volkskultur einen wirklichen Aufschwung, zur selben Zeit aber orientierten sich die Bauern im Fürstentum deutlich nach Lübeck hin und nahmen die bürgerliche Kultur, Lebensweise sowie Bauformen und Kleidungsmode rasch an. Wie stark die Mode auf die Tracht einwirkte, zeigt sich anhand einiger erhaltener Fotografien vom Ende des 19. Jahrhunderts. Da diese „Tracht im Übergang“ nicht dem Ursprünglichen entsprach, vermieden es die Direktoren, Sammler und Vertreter der frühen Museen, diese Textilien als Ganzes in die Sammlungen aufzunehmen.

Sie beschränkten sich meist auf einzelne Tücher oder Hauben, die wegen ihrer Schönheit herausragten und bewahrt wurden. Dies kann ebenso ein Grund dafür sein, dass der Bereich der Männerbekleidung nur dann berücksichtigt wurde, wenn es sich bei den Sammlungsstücken eindeutig um „Tracht“ handelte.

Viele Bauern in der Nähe großer Städte wie Lübeck oder Rostock passten ihre Lebensweise zunehmend den urbanen Regeln der modernen Stadt an. In das große, mit flachem Pappdach versehene neue Bauernhaus konnte die Tracht als täglicher Anzug nicht mehr hineinpassen. So berichtet eine Beiträgerin dem mecklenburgischen Volkskundler Richard Wossidlo (1859-1939), dass die Orte, die dichter an Lübeck gelegen waren, ihre Tracht eher ablegten als andere. Ganz anders scheint der Verlauf in den Dörfern des Amtes Rehna. Hier trugen die Bäuerinnen die Rehnaer Tracht wesentlich länger. Ob dies mit der Vererbpachtung und einem aufkommenden Selbstbewusstsein zusammenhing, lässt sich nur vermuten.

Einige Fotografien zeigen Bäuerinnen und ihre Töchter in Tracht neben ihren bereits modisch gekleideten Männern als Porträt. Die Zahl der Trachtenträgerinnen muss um 1900 noch erstaunlich hoch gewesen, in den Jahren danach aber rapide abgesunken sein, denn Richard Wossidlo zeigte sich um 1920 erschrocken, dass in Bülow bei Rehna nur noch zwölf Frauen an der Tracht festhielten. Fast zeitgleich beschwerte er sich aber bei seinem Kollegen in Schönberg, dass die Frauen so starr an den Dingen hingen, dass es ihm nicht gelang, Brusttücher oder andere Trachtenteile zu erwerben.

 

Tracht und Werbung

Zahlreiche Beispiele lassen sich heute benennen, wie die historische Tracht werbewirksam für meist regionale Produkte verwendet wird. Der Fremdenverkehr hatte früh bemerkt, dass für eine Region sehr gut mit der Verbindung „Landschaft – Tracht“ geworben werden konnte. Der Spreewald wäre ohne das Bild einer im Kahn stehenden Frau in typischer Spreewaldtracht unvollständig und nicht denkbar. Die Briefmarkenedition der Deutschen Post der DDR hat 1964 verschiedene Volkstrachten für das Gebiet der DDR herausgegeben. Wie viele dieser Serien wurden die Marken zum Sammlerobjekt. Das Motiv für Mecklenburg war die Rehna-Schönberger Tracht vor einem typischen Ratzeburger Bauernhaus mit Bauerntanz.

Der schärfer werdende Kurs der Regierung in den 1970er-Jahren verdrängte eine weitere Verwendung von Motiven der Tracht. Letztmalig bei den Weltfestspielen der Jugend in Ostberlin 1951 trugen Mitglieder der Schönberger Späldäl Tracht, um ihre Region, ihre Stadt zu präsentieren – anschließend folgte die staatlich erwünschte Einschränkung der Tanz- und Trachtengruppierungen. In den 1980er-Jahren versuchte die Regierung der DDR, wirtschaftliche Schwierigkeiten durch kulturelle Betätigungen auszugleichen und förderte einzelne Volkskunstgruppen in Städten oder größeren Betrieben, Folkloreensemble entstanden.

 

Küstentracht

Zum Bereich der Fischer- und Küstentrachten auf dem Gebiet des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern zählten einst die unterschiedlichen Bekleidungsstile auf der Insel Poel, dem Fischerort Warnemünde und die Trachten auf der Halbinsel Mönchgut (Rügen) sowie dem angrenzenden Lieper Winkel auf dem Festland. Dem äußeren Erscheinungsbild nach scheint die weite weiße Fischerhose für Männer als verbindendes Element zu gelten und dieses über die Grenzen hinweg. Wesentlich größer sind die Unterschiede bei Frauentrachten.

Die Poeler Tracht ähnelt sehr der Schweriner, mit Ausnahme der rotbraunen Färbung von Mieder und Jacke. Die Hauben allerdings gleichen den Blankmützen der allgemeinen ländlichen Bekleidung in Mecklenburg und deren Abwandlungen, die im gesamten norddeutschen Raum anzutreen sind. Auch hier konnten wie in anderen Trachtengebieten die Unterscheidungsmerkmale unverheiratet, verheiratet oder verwitwet sowie das Festtagskleid, an der Kopfbedeckung der Trägerin abgelesen werden. Nur sind die Nachweise für die Poeler Tracht sehr gering, dennoch kam es auch bei dieser zu einer Wiederbelebung um die Jahrhundertwende.

Die Warnemünder Fischerfrauen trugen im Vergleich zu den anderen Sondertrachtengebieten eine fast zurückhaltende Mode; eingeführte Stoffe von gehobener Qualität waren viel eher ein Wesensmerkmal dieser Tracht als ausgefallene Formensprache. Die Fischer trugen zwar werktags ebenso die weite Fischerhose, eine charakteristische Festtagsbekleidung, die sich von der städtischen Mode abhob, bestand hingegen am Ende des 19. Jahrhunderts nicht.

Wesentlich anders liegen die Verhältnisse auf der Insel Rügen. Hier wurde durch auswärtige Reisende bereits um die Mitte des 19. Jahrhundert der Trachtengedanke gefördert und es entstand 1898 einer der ersten, wenn nicht sogar der erste Trachtenverein auf dem Gebiet Vorpommerns! Auch auf andere Weise wurde das Tragen von Tracht gefördert; so schenkte der Fürst zu Putbus um 1870 jeder Fischerfrau, die Tracht trug, eine Nähmaschine! Heute gilt die Trachtengruppe von Alt Reddewitz auf Rügen als größte Vertreterin des Tragens von Trachten zu festlichen Anlässen auf der Insel Rügen.

 

Ländliche Kleidung

Von der abseits der Küsten und Sondertrachtengebiete bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts getragenen Schweriner Tracht ist in den Sammlungen  des Landes fast nichts erhalten. Lediglich die schönen „Blankmützen“ der Frauentracht finden sich vielfach. Diese mit Goldstickerei und Glasflüssen verzierten Hauben waren für junge Frauen und zu Festtagen auf hellem oder roten Untergrund bestickt und mit Tressen belegt. Für ältere Frauen oder zum Kirchgang waren auch hier die Farben dunkler gehalten. Die Form der Hauben war in den Regionen stark unterschiedlich, ebenso die Breite des geriffelten weißen Striches, der meist weit hervorstand.

Zur sonntäglichen und alltäglichen Kleidung der Bauernfrauen gehörte der bunt gestreifte Rock, dessen Farben für ältere Frauen wiederum weniger leuchtend waren. Für den Kirchgang tauschten Frauen dieses als „Warprock“ bezeichnetes Kleidungsstück auch gegen einen einfarbig grünen oder schwarzen Rock, den am Saum ein „Hamburger“ Band zierte. Die gemustert gewebten Brusttücher auf den überlieferten Abbildungen sind wesentlich größer als bei den anderen Trachtengebieten und in den Miederausschnitt eingesteckt oder akkurat mit Nadeln in Form gehalten. Diese Tracht ist so allgemein in Mecklenburg getragen worden, dass eher von allgemeiner ländlicher Kleidung gesprochen werden kann.

Die Tracht war auch für die Dienstmädchen verbindlich und entwickelte sich zum Erkennungsmerkmal des Dienstbotenstandes, als sich Bürger und Bauern am Ende des 19. Jahrhunderts schon von dem traditionellen Bekleidungsverhalten abgewendet hatten. Vielfach ersetze ein schwarzes Mieder aus Samt und ein weißes kleines Tuch das aufwendigere Brusttuch und bildete somit das Arbeitskleid, die Dienstbotenkleidung.

Durch die starken Sammlungsverluste der Schweriner Trachtensammlung am Ende des Zweiten Weltkrieges ist auch von der Bekleidung der Männer nichts erhalten geblieben. Die durch Richard Wossidlo (1859-1939) gesammelten Trachten waren im Schloss ausgestellt und bildeten ein Abbild der Vielfalt, die es in Mecklenburg gab.
Für den Bauern ähnlich wie für den Schäfer stand in Mecklenburg der aus Leinen bestehende Kittel, sowohl zur Arbeit als auch zum Sonntag. Diese unterschieden sich dadurch, dass der sonntägliche häufig blau oder schwarz eingefärbt war. So entstand auch das Sprichwort „Linnen drägt de Buer!“ Nach und nach löste der „Paleto“, der Gehrock aus schwarzem Tuch, Merkmale der Tracht wie Jacken oder Kittel ab.

 


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